Unentdecktes Land

3.Oktober 2015 · Potsdamer Platz · Berlin

 

Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen

This border was torn down, so that together we can go to war again

Эта граница была упразднена, чтобы мы снова вместе втянулись в войну

Cette frontière on a annulé afin que nous soyons entrés en guerre ensemble encore

东西德的边界已经不复再   这样我们就被送上前线

αυτό to σύνορο καταργήθηκε, γia va μπορούμε να τραβηξούμε μαζί στον πόλεμο

De grens werd opgeheven zodat we samen opnieuw de oorlog tekenen

Questa frontiera è stata eliminata, affinché noi possiamo insieme nuovamente andare in guerra

Ez a határ azért lett eltörölve, hogy újra együtt mehessünk a háborúba

Bu sınır kaldırıldı, savaşa yine birlikde girmek için

 


Bericht zur Aktion des Unentdecktes Land e.V. und der Berliner Gewerkschafter bei Secarts.org am 3.10.2015 in Berlin. Zu finden in: Kommunistische Arbeiterzeitung, Ausgabe 353 (www.kaz-online.de/artikel/diese-grenze-wurde-aufgehoben-damit-wir-gemeinsam-wieder-in-den-krieg-ziehen):

»Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen«

 

Das Trans­pa­rent zum 3. Ok­to­ber 2015 auf dem
Pots­da­mer Platz auf der Gren­ze zwi­schen
Ost- und West­ber­lin – zwi­schen „Deut­sche-
Bahn-Tower” (mit­tig), dem nach dem Alt­na­zi
Otto Beis­heim be­nann­ten „Beis­heim Cen­ter”
(die zwei Gebäude rechts), Po­li­zei­fahr­zeu­gen und
„Mau­er”-Ge­denk­stei­nen recht ein­ge­quetscht

Marx be­merk­te ir­gend­wo, dass die Lum­pen­ban­de des Lou­is Na­po­le­on, die „Ge­sell­schaft des 10. De­zem­ber”, die ihm nütz­li­ches Volk schau­spie­ler­te und po­li­ti­sche Geg­ner vermöbel­te, mit Schnaps und Wurst zu­sam­men­ge­kit­tet wer­den muss­te. Marx hat ver­ges­sen, hin­zu­zufügen, dass eine französi­sche Far­ce im­mer noch durch eine bun­des­deut­sche Gro­tes­ke zu stei­gern geht. Bund und Länder müssen nämlich auch, wie Marx es aus­drückte, „stets von neu­em mit der Wurst wer­fen”: nach der „Ge­sell­schaft des 3. Ok­to­ber 1990”, die sie gern hätten und ins­be­son­de­re in Ber­lin doch nicht wirk­lich und vor al­lem nicht wi­der­spruchs­los zu­sam­men­ge­trom­melt krie­gen.


Doch mit dem alljähr­li­chen Ge­bla­se zum Auf­marsch der An­ne­xio­nis­ten, kaum ver­hoh­len als Brat­wurst­fest für bied­re Bürgers­leut, hat sich die bun­des­deut­sche Staats­ma­schi­ne allmählich jene bun­te Manövrier­mas­se zu­recht­ge­kit­tet, die als „Ge­sell­schaft des 3.Ok­to­ber” le­ben­dig be­wei­sen soll, welch Pracht und Ei­er­ku­chen-Ein­tracht im Lan­de herrscht. Wie bemüht und kos­ten­in­ten­siv und wi­dersprüchlich auch im­mer – sie lässt sich schon vorführen, mo­bi­li­sie­ren, ab­ru­fen mit Ka­ser­nen­hof-Pünkt­lich­keit, die gute Stim­mung, die es auch für die nächs­te An­ne­xi­on und den nächs­ten Krieg brau­chen wird. Ein Nur-Brat­wurst­fest kann es im Im­pe­ria­lis­mus auch gar nicht ge­ben, und na­ment­lich die deut­sche Brat­wurst­stim­mung ist welt­be­kannt dafür, im­mer nur der ankündi­gen­de Zip­fel zu sein – vom Fleisch­berg des Welt­kriegs­schlach­tens.
Während nun eine Sek­ti­on der „Ge­sell­schaft des 3. Ok­to­ber” durch die so­ge­nann­ten Bun­desländer tourt und etwa die­ses Jahr Frank­furt am Main mit Re­gie­rungs­staf­fa­ge und ent­spre­chen­den Sonn­tags­dro­hun­gen heim­such­te, lässt sich die Ber­li­ner Sek­ti­on nicht lum­pen, sich je­des Jahr ve­ri­ta­bel her­zu­zei­gen. Und man lässt es sich was kos­ten, gibt nebst Um­trunk ei­nen Kultürli­chen aufs Vol­kes­wohl aus. Udo Lin­den­berg etwa kos­tet doch sonst 75 Eus die Kar­te! Und ist am 3. Ok­to­ber für die schlan­ke Gra­tis-Null zu ha­ben, die der gan­ze Ein­heits-Bar­den­hain wert ist, dem er an­gehört?! Und auch sonst ein­fach noch mal Bo­cki­Baut­ze­Bem­me­Bier­chen in die letz­ten Som­mer­son­nen­strah­len zu he­ben, ist eine gute Fa­mi­li­en­ge­le­gen­heit – Deutsch­land­wim­pel nu hin oder her.


Eine der neun In­fo­ta­feln am Trans­pa­rent mit ei­ner
Über­set­zung der Lo­sung (hier: nie­derländisch) und Fak­ten
aus der Chro­nik des deut­schen Mi­li­ta­ris­mus seit 1989

So fin­det ein je­des Men­schen­kind und kaum etwa nur der Bil­der­buch­na­zi bess­re oder mie­se­re Gründe, den 3. Ok­to­ber doch „auf der Straße” zu fei­ern, die frei­lich zum Schau­fens­ter neu­g­roßdeut­scher Herr­lich­keit de­ko­riert ist: mit In­foständen solch ver­trau­ens­stif­ten­der Bun­des- und Lan­des­behörden wie Bun­des­wehr, Po­li­zei­en, Bun­des­tag, neu­er­dings so­gar Bun­des­nach­rich­ten­dienst per „Bürgernähen”-Of­fen­si­ve.

Die man­nig­fal­ti­ge Pu­bli­kums­mas­se die­ses Staats­spek­ta­kels – kaum na­zis­tisch, aber doch kaum an­ti­fa­schis­tisch; vie­le Os­sis, aber auch vie­le Wes­sis; vie­le Tou­ris, vie­le West­deut­sche, vie­le Lum­pen; ir­gend­wie al­les und nichts – galt es zu agi­tie­ren, ge­gen den Volks­ge­mein­schafts­weih­rauch we­nigs­tens si­gnal­wei­se zer­set­zend an­zu­bla­sen, dem Ein­heits­du­sel ei­nen kon­zen­trier­ten Wi­der­spruchs­punkt auf­zunöti­gen.


Pu­bli­kum in Trau­ben

Un­se­re Haupt­lo­sung zum 3. Ok­to­ber leis­te­te nicht mehr und nicht we­ni­ger als das. Sie er­gibt sich aus dem Kräfte­verhält­nis, dass die Kräfte für ein de­zi­dier­tes Ge­gen-Volks­fest etwa zum 7. Ok­to­ber, zur Gründung der Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik, noch nicht wie­der genügend er­starkt sind, als dass eine DDR-Be­flag­gung und eine of­fen­si­ve­re DDR-Lo­sung der fins­te­ren Rea­lität in bei­den Ländern Rech­nung tra­gen könnte. In die­sem Sin­ne ist es eine ge­samt­deut­sche Lo­sung, die so­wohl Os­sis als auch Wes­sis – al­ler­dings als Os­sis und Wes­sis – vor der fal­schen Ein­heit warnt, in die sie der west­deut­schen Mo­no­pol­bour­geoi­sie trotz man­cher Nörge­lei an die­sem und je­nem doch hin­ter­her­tau­meln.

Die An­mel­dung ei­ner ganztägi­gen Kund­ge­bung am Pa­ri­ser Platz (ost­sei­tig des Bran­den­bur­ger Tors) mit Großtrans­pa­rent und In­fo­ta­feln wur­de zwei Wo­chen vor dem 3.Ok­to­ber von der Po­li­zei­di­rek­ti­on un­ter Be­ru­fung auf eine „All­ge­mein­verfügung”, die den Platz ab 14 Uhr für jeg­li­che Öffent­lich­keit sperr­te, auf „bis 14 Uhr” ein­ge­schränkt. Die münd­li­che Begründung lau­te­te un­ter an­de­rem da­hin, dass die zu er­war­ten­den Mas­sen­ströme bes­ser ka­na­li­siert wer­den müss­ten als die letz­ten Jah­re, und dass die Not­stands­fahr­zeu­ge bes­ser auf­rol­len können, um die sich amüsie­ren­den Fest­tags-Ein­heits-Deut­schen da­von ab­zu­hal­ten, sich zu er­schla­gen oder tot­zu­sau­fen oder bei­des (so hieß es sinn­gemäß – nicht ex­pli­zit, aber auch nichts An­de­res!). Die­se „All­ge­mein­verfügung” wur­de be­wusst erst 7 Tage vor dem 3.Ok­to­ber veröffent­licht, um das Ein­le­gen von Rechts­mit­teln ge­gen sie zu er­schwe­ren, während die Po­li­zeibüttel schon mal un­ter Be­ru­fung auf sie han­del­ten. Als wir er­fuh­ren, was das An­schie­ben ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de mit wirk­sa­mem Auf­schub ge­gen das Ver­samm­lungs­ver­bot kos­ten würde, nah­men wir da­von Ab­stand. Und als am Mor­gen des 3. Ok­to­ber auch noch tech­ni­sche Pro­ble­me hin­zu­ka­men, wi­chen wir schließlich voll­ends auf den Pots­da­mer Platz aus, der nur noch in mit­tel­ba­rer Nähe zur übli­chen Deutsch­land­fest­mei­le (auf der „Straße des 17.Juni 1953” natürlich) liegt.


Zi­ta­te­ta­fel mit re­ak­ti­onären Zi­ta­ten,
ursprüng­lich als Ge­gen­schlag
ge­gen die staat­li­che Wer­be­kam­pa­gne
„Du bist Deutsch­land” kon­zi­piert

Das Großtrans­pa­rent war ver­se­hen mit 9 In­fo­ta­feln „Aus der Chro­nik des deut­schen Mi­li­ta­ris­mus nach 1989”, ver­ziert mit 9 Über­set­zun­gen der Haupt­lo­sung. Da­ne­ben bau­ten wir mit den Ber­li­ner Ge­werk­schaf­tern bei Secarts.org ei­nen “BRD-Pran­ger” bzw. eine “West­side Gal­le­ry”: drei Ta­feln mit ei­ner Samm­lung von 250 re­ak­ti­onären Zi­ta­ten aus 60 Jah­ren bun­des­deut­scher Po­li­tik, Wis­sen­schaft und Kul­tur. Die Chro­nik und eine Zi­tat­aus­wahl wa­ren In­fo­bei­ga­ben zum Auf­ruf­text, ei­ner Flug­schrift, die im Lau­fe des 3.Ok­to­ber von über 1000 Leu­ten von den In­fo­auf­stel­lern ge­nom­men wur­de. Rund 150  Zi­tat­hef­te wur­den ge­gen Spen­de aus­ge­ge­ben.


Das Trans­pa­rent war zwei­fel­los trotz der ge­wis­sen Enge des Pots­da­mer Plat­zes der we­sent­li­che Blick­fang der Ge­gend. Re­gelmäßig bil­de­ten sich Trau­ben von Pas­san­ten an den In­fo­ta­feln und der Zi­tat­samm­lung. Von ei­ni­gen sehr we­ni­gen Pöblern ab­ge­se­hen nah­men die Pas­san­ten die Lo­sung und das Fak­ten­ma­te­ri­al nach­denk­lich bis wohl­wol­lend auf, teils auf dem Weg zum oder vom Deutsch­land­fest “auch mal kri­ti­sche Wor­te an­er­ken­nend”, teils an­ge­ekelt von der außen­po­li­ti­schen Ent­wick­lung, zu ei­nem klei­nen, aber merk­li­chen Teil auch aus ei­ner durch Pe­gi­da und Co. vor­ge­bil­de­ten “BRD-Kri­tik”, die die BRD nur als “un­sou­veränen Va­sall der USA” ima­gi­niert. Vie­le frag­ten zag­haft ver­wun­dert bis naiv empört nach, ob wir denn zum Krieg auf­rie­fen oder zu den re­ak­ti­onären Zi­ta­ten stünden, und zeig­ten sich er­leich­tert, wenn wir die kri­ti­sche Ne­ga­ti­vität des Ma­te­ri­als erläuter­ten. Vie­le Tou­ris­ten und nicht we­ni­ge Os­sis und Wes­sis dank­ten uns mit Wor­ten und Spen­den für das Set­zen ei­nes Kon­ter­punk­tes zu all der tie­risch pa­trio­ti­schen Selbst­herr­lich­keit.
Auf dem Pots­da­mer Platz war für den 3. Ok­to­ber zunächst auch eine an­ti­ras­sis­ti­sche Kund­ge­bung an­gekündigt ge­we­sen, auf der der an­ti­fa­schis­ti­sche Schutz­wall mit dem heu­ti­gen im­pe­ria­lis­ti­schen Grenz­re­gime via EU gleich­ge­stellt wer­den soll­te. Eine kri­tisch-so­li­da­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den De­mo­kra­ten, die das deut­sche Grenz­re­gime und Asyl­recht bekämp­fen und dafür be­reit sind, in die Kostüme der ver­meint­lich frei­heits­lie­ben­den Mau­er­ein­reißer von 1989 zu schlüpfen und so­mit gleich­sam die dop­pel­te Tragödie zur dop­pel­ten Far­ce her­un­ter­zu­spie­len, blieb an dem Tag dann aus, weil die Kund­ge­bung kurz­fris­tig ab­ge­sagt wur­de.


Auch an den Zi­ta­te­ta­feln steht bis zum
späten Abend re­gelmäßig Pu­bli­kum – teils
sehr ge­dul­dig le­send und mehr­heit­lich ent­setzt
und an­ge­wi­dert über die deut­schen Zustände

Dafür fand par­al­lel zu un­se­rer Ak­ti­on eine Ak­ti­on der Grup­pe “Op­fer der Agen­da 2010” statt, die zwar auch durch Imi­ta­ti­on der Mau­er­op­fer-Kreu­ze mit unpräzi­sen Ver­gleichs­bil­dern ope­rier­te, im Übri­gen aber die staat­li­che Ver­elen­dungs­po­li­tik durch die Hartz-Ge­set­ze in all ih­ren bra­chia­len Fol­gen für die Be­trof­fe­nen geißelte und auch mit ei­ner Zi­ta­te­samm­lung zu Ar­beits- und Ar­beits­lo­sen­het­ze auf­war­te­te. Es war eine gute spon­ta­ne Ak­ti­ons­ein­heit, in der wir eher die mi­litärpo­li­ti­schen Fol­gen und die Freun­de von “Op­fer der Agen­da 2010” eher die so­zi­al­po­li­ti­schen Fol­gen der An­ne­xi­on der DDR auf­zeig­ten.

Das Trans­pa­rent am 3. Ok­to­ber 2015 abends –
von 13 Uhr steht es an die­sem Tag bis 22 Uhr.

Durch das Abdrängen vom Pa­ri­ser Platz auf den Pots­da­mer Platz war es der Stadt Ber­lin ge­lun­gen, ihr Im­pe­ria­lis­ten-Bier­fest ziem­lich zu pa­zi­fi­zie­ren, aber vom Ran­de des­sel­ben her wink­te ganztägig ef­fekt­voll der Wi­der­spruch zu ei­ner “deut­schen Ein­heit” auf Kos­ten und Kno­chen erst der Os­sis, dann der an­de­ren un­ter­drück­ten Völker und schließlich be­kannt­lich so­gar der im­pe­ria­lis­ti­schen Kon­kur­ren­ten. Und der 3. Ok­to­ber bleibt al­ler Vor­aus­sicht nach ein zen­tra­ler un­ter den nicht we­ni­gen Ta­gen, an de­nen sich die neue deutsch-im­pe­ria­lis­ti­sche Großmanns­sucht öffent­lich be­wurs­tet und be­biert und sonnt und sielt und brüstet und rüstet und – an­greif­bar macht.

Un­ent­deck­tes Land e.V.

 

 

 

 


 

 

 

 


 

Aufruf zur Aktion am 3. Oktober 2015

Die Annexion der DDR verschaffte dem deutschen Imperialismus die Basis, sein Weltmachtstreben auf dem Rücken aller auszuagieren.

Nach innen mit der Abschaffung des Asylrechts 1993, mit staatlicher Duldung faschistischer Mordbrennereien, mit Demontage der Löhne und Renten in Ost und West und Entrechtung der Arbeitslosen, mit nazi-verharmlosenden Schlussstrichen und Entschädigungsabwehr für die deutschen Verbrechen in den Weltkriegen. Nach außen mit Bomben auf Belgrad 1999, die nur der Startschuss für weitere weltweite Einsätze der deutschen Angriffsarmee Bundeswehr waren, mit staatlicher Förderung 5. Kolonnen, mit völkischem und antisemitischem Ideologieexport, mit politischer Überstimmung und ökonomischer Überschwemmung der EU-Länder.

»Wir werden uns wieder mit den ganz uninteressanten Fragen auseinanderzusetzen haben«, beklagte der jüngste DDR-Bürger Ronald Schernikau diesen epochalen Rückschritt vom realen Sozialismus in den Sumpf der Barbarei: »Am 9. November 1989 hat in Deutschland die Konterrevolution gesiegt. Ich glaube nicht, dass man ohne diese Erkenntnis in der Zukunft wird Bücher schreiben können.«

1999 wurde gefragt: Ob die Grenze aufgehoben wurde, damit wir zusammen in den Krieg ziehen? Der deutsche Imperialismus führt wieder Krieg, hat so massiv und ungehindert aufgerüstet, dass wir feststellen müssen: DIESE GRENZE WURDE AUFGEHOBEN, DAMIT WIR GEMEINSAM WIEDER IN DEN KRIEG ZIEHEN!

Mit dieser Aktion soll den Menschen in Ost und West die objektive Situation in diesem Land und der Weg der Kriegsvorbereitung, den es seit 1990 beharrlich erstürmt, nüchtern vor Augen geführt werden. Vor den deutschen Kriegstreibern ist niemand mehr sicher. Es wird Zeit, ihnen die Hände zu zerschlagen, bevor sie die Vorkriegszeit wieder beenden, die am 3. Oktober 1990 ausbrach.

 


 

Informationstext zur Aktion

Es ist Krieg allerorten, und »wir Deutschen sind wieder wer« und dabei und vorneweg. Krieg wofür? Als sich 1992 gerade der Staub der einstürzenden Mauerteile in Berlin gelegt hatte, gab es die Antwort von Bundeskriegsminister Rühe, dessen Sicht nach Osten keine NVA-Kaserne mehr störte: »Für die Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt …« Ab da war klar, was auf westdeutscher Seite hinter dem Stahlbeton der deutschen-deutschen Grenze über 40 Jahre auf Revanche gelauert hatte. Wenn es nicht da schon klar war, dann doch spätestens 6 Jahre später, als die Einschläge deutscher HARM-Luft-Boden-Raketen von deutschen Tornados Krater in jugoslawischen Boden schlugen, wo eine Generation früher der Donner der faschistischen Wehrmacht erst über Bergen von Ermordeten verhallt war. Spätestens nach diesem ersten deutschen Angriffskrieg seit dem letzten deutschen Weltkrieg war ein armselig dummer Tölpel, wer sich noch mit dem Sandsäcke-Schippen und Suppe-Verteilen »unserer Jungs« an der Oder die »Friedenstruppe« vorgaukeln ließ. Heute haben die Siemens, Krupp und Deutsche Bank einen Gauck und gauckeln schon nicht mehr vom Friede. Der Ton ist schärfer geworden. Die Militarisierung der Gesellschaft, die Weltmeister-Rüstung, die offene Kriegsvorbereitung und das Trampeln deutscher Armeestiefel dort, wo die Wehrmacht immer schon hin wollte, ist so »normal« wie der Bundeswehr-TV-Spot zwischen Deutschländerwürstchenwerbung und Knopperswerbung. »Wir. Dienen. Deutschland.«

Doch der Fall der Mauer fällt nicht zufällig mit dem Fall der bis dato längsten Friedensetappe Europas, das Ende der DDR nicht zufällig mit dem Ende der deutschen Nachkriegszeit zusammen. Denn diese Staatsgrenze war nicht irgendeine Grenze, der Staat, der sie am 13. August 1961 befestigte, nicht irgendein Staat. Zu beiden führte eine Geschichte, die wie so viele deutsche Geschichten mit einem Krieg begann. Diesmal der 2. Deutsche Weltkrieg, und was es an Bestialität gegen die Menschheit bis dato gab, Nazideutschland überflügelte alles Dagewesene. Es definierte mit der Shoa die Feindschaft gegen das menschliche Leben neu. Zum Entsetzen der zivilisierten Welt. Die schlug vereint im Namen der Freiheit und des Lebens den deutschen Faschismus nieder. Eine Befreiung! Sbasibo – Thanks – Merci und Danke!

Die Befreier vergalten nicht Gleiches mit Gleichem. Das deutsche Volk wurde nicht erschossen, erschlagen, verbrannt, weder ausgehungert noch vergast, so wie es die Deutschen mit Millionen getan hatten. Was stattdessen zu tun sei, war zu beraten. Dazu trafen sich die Regierungsspitzen der 4 wichtigsten Staaten der Anti-Hitler-Koalition. Und weil das in Potsdam geschah, genau am 2. August 1945, nannte man das Ergebnis dieser Beratung fortan das Potsdamer Abkommen. Seine wichtigsten Beschlüsse gingen als die »4 Ds« in die Geschichte – und im Osten auch in die Geschichtslehrbücher und vor allem in das gesellschaftliche Leben ein. D wie …

  1. Denazifizierung: Verbot der NSDAP und aller anderen Nazivereine, Bestrafung aller Kriegsverbrecher, faschistische, rassistische, antisemitische, chauvinistische Propaganda unter Strafe.
  2. Demilitarisierung: Völlige Abrüstung, Zerschlagung aller militärischen und zum Erhalt der militärischen Tradition geeigneten Organisationen. Zerschlagung der Rüstungsindustrie.
  3. Demokratisierung: Umgestaltung des öffentlichen Lebens auf demokratischer Grundlage, Abschaffung sämtlicher Gesetze und Verordnungen der Nazis, Zulassung antifaschistischer Organisationen.
  4. Dezentralisierung: Vernichtung der bestehenden übermäßigen Konzentration der Wirtschaftskraft, dargestellt insbesondere durch Kartelle, Syndikate, Trusts und andere Monopolvereinigungen.

Weiterhin legte das Abkommen die Nachkriegsgrenzen fest. Ganz anders als aus Bonn kam aus dem Osten dazu kein zorniger Protest, kein chauvinistisches Geschrei. Im Gegenteil: Am 6.6.1950 wurde im nun polnischen Teil von Görlitz die neue Grenze zwischen Deutschland und Polen feierlich besiegelt. Adenauer tobte über das Görlitzer Abkommen und fasste zusammen, was man in der BRD von der Oder-Neiße-Friedensgrenze hielt: »Lassen Sie mich mit letzter Klarheit sagen, das Land jenseits der Oder-Neiße-Grenze gehört für uns zu Deutschland …« Applaus für solche Sprüche gab es von den mit Nazis vollgestopften Vertriebenenverbänden, die entgegen den Potsdamer Beschlüssen in Westdeutschland wie Pilze aus dem Boden schossen und ihr revanchistisches Gift verspritzten.

Deutschland wurde aufgeteilt in vier Besatzungszonen, drei für Frankreich, Großbritannien und die USA und eine für die Sowjetunion, kurz SBZ. Während man in der SBZ daran ging, ein D des Potsdamer Abkommens nach dem anderen umzusetzen, blieb es in den westlichen Besatzungszonen im Großen und Ganzen bei den »guten alten deutschen Verhältnissen«. Mehr und mehr war der Antrieb allen Handelns nicht mehr die Sorge um eine Wiederholung der braunen Pest des deutschen Faschismus. Die Westmächte sahen immer großzügiger weg und Rot. Die neue Rechnung der Westmächte: Der Feind der Bolschewisten ist mein Freund. Wer nur kräftig genug ins antikommunistische Horn stoßen konnte, bekam den Zucker in den Arsch, Waffen und Munition. Noch der letzte Altnazi, Bandit und islamistische Klerikalfaschist war gut genug für den Kampf gegen die Sowjetunion. Es war der Ruf des Westens nach jenen Geistern, die auch heute Schneisen des Terrors schlagen. Die drei Westzonen wurden eine große »Trizone«, gegen die kleine vierte. Ein Teilungsplan, wie sich bald zeigen sollte. Die vormals gemeinsamen Beschlüsse wurden mit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition in der Westzone eine störende Unwichtigkeit. So fand das deutsche Großkapital und sein Faschistenpack sein Winterquartier, im Schatten des Antikommunismus des sich abzeichnenden Krieges gegen die Sowjetunion. Der Umgang mit den Potsdamer Beschlüssen wurde zur Roten Linie zwischen den Zonen.

Während im Osten auf die Kriegsverbrecher und Finanziers des Hitler Enteignung und Todesstrafe warteten, kamen sie in Westdeutschland in die Regierung und bauten sich eine neue Armee und auf Basis ihrer Kriegsbeute neue Firmenimperien auf. Wo ihre Geschichte, die Geschichte der Siemens, Daimler, Deutsche Bank & Co., in der DDR mit der Überführung in Volkseigentum endete, ging sie in der BRD ungebremst weiter. Justiz, Wissenschaft, Forschung & Schule, Wirtschaft, Gesundheitswesen – wohin man auch schaute, der Osten machte es anders, der Westen machte nur weiter. Die BRD baute auf die alten Experten – wirtschaftlich rechnete sich das. Die DDR riss jede alte Struktur nieder, auch wenn erstmal nichts mehr funktionierte und sie das wirtschaftlich ins Minus riss.

Durch Deutschland ging ein tiefer Riss, nicht nur entlang der Fragen des Potsdamer Abkommens. Für den Westen konnte er nicht schnell und tief genug gehen. Dort gab man Richtung und Geschwindigkeit vor: Verweigerung der vereinbarten Reparationsleistungen an die Sowjetunion, endgültige Spaltung des deutschen Wirtschaftsraums durch eine separate Währungsreform, Gründung des Separatstaates BRD, Einordnung in das westliche Militärbündnis NATO, Aufstellung der Bundeswehr unter Führung von Nazimilitärs. Der SBZ blieb nur, um den 1945 gemeinsam mit dem Westen eingeschlagenen Kurs zu betteln und dann mit Tatsachen zu reagieren: Gründung der DDR und des Warschauer Verteidigungspaktes, Aufstellung der NVA, Sicherung der Staatsgrenze der DDR. Geschichte lässt sich nicht betrachten ohne Zusammenhang.

Wovor hatte Adenauers Westen so eine Angst? Was war so unannehmbar für das Gebiet der alten deutschen Banken und Konzerne? Warum wurde jedes Angebot des Ostens, sich an einen Tisch zu setzen, abgelehnt? • Wollte man Frieden und nicht Krieg? Wohl kaum: Auf die vorgeschriebenen Abrüstungsmaßnahmen wurde im Westen geschissen. Mit Nazi-Generälen baute man die Führung einer gegen das Potsdamer Abkommen aufgestellten Bundeswehr. »Wer als ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS die Pflege soldatischer Tradition sucht, ist als ehemaliger Soldat bei der Bundeswehr willkommen«, sagte, um da keinen Zweifel aufkommen zu lassen, 1965 Ulrich von Hassel, BRD-Kriegsminister. • Oder ging es um die Menschenrechte, ging es um die Brüder und Schwestern in der Zone? Wohl kaum: Denn wer mit der Instrumentalisierung des innerdeutschen Handels und der Verhängung von Embargos und Boykotts gegen die DDR und damit immer auch gegen ihre Bevölkerung schoss und dafür sorgte, dass der Anfang dort besonders schwer war, kann sich die Heuchelei über die »armen Ossis« sparen. • Wollte Bonn lieber ein geeintes, friedliches, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland ohne Besatzungsmächte als eine sozialistische DDR nach sowjetischem Vorbild? Wohl kaum: Denn genau dies bot die Sowjetunion dem Westen u.a. 1952 mit der sogenannten »Stalin-Note« vergeblich an. Ja selbst, dass die verhasste UdSSR damit die verhasste DDR für ein neutrales, entmilitarisiertes Deutschland drangegeben hätte, konnte die BRD nicht erweichen. Die »Stalin-Note« wie alle anderen Angebote von Sowjetunion und DDR für eine gesamtdeutsche Verständigung wurde abgelehnt, der eingeschlagene Kurs in die Spaltung betoniert.

Der zentrale Widerspruch zwischen den Lagern war offensichtlich nicht irgendeine »Freiheit« oder das »traurige Schicksal der Menschen in der Zone«. Der Widerspruch, der den Riss zwischen den Himmelsrichtungen aufmachte, war ein anderer: So wie das Führungspersonal des Nazi-Reiches in den Westen floh, flohen dorthin die Eigentümer der Banken und Konzerne, die ihren Hausmeister Adolf Hitler einst für den Raubzug großmachten. Jenseits der Grenzen der SBZ waren sie sicher, die Umsetzung des Potsdamer Abkommens hätte auch ihr Ende bedeutet. So wurde die Staatsmacht BRD mit alledem, was sie ausmachte, zum Garanten der Nichtumsetzung des Potsdamer Abkommens in Westdeutschland. Sie wurde zur Schutzmacht der Banken und Konzerne, deren Vernichtung im Osten vollzogen wurde. Sie wurde zur Schutzmacht der Nazigrößen und Kriegsverbrecher, deren Bestrafung und Enteignung im Osten zur Realität wurde. So wie die Trizone mit der Gründung des Separatstaates BRD diesen Status betoniert hatte, konnte auch die SBZ darauf nur mit einer Staatsgründung reagieren, um ihre Position an dieser Front zu befestigen. Die Deutsche Demokratische Republik wurde damit, mit alledem, was sie ausmachte, zum Garanten der Umsetzung des Potsdamer Abkommens und damit zur Umsetzung der Forderungen der vom deutschen Faschismus Überfallenen wenigstens in einem Teil Deutschlands.

Der Preis, den der Osten für die aufgezwungene Spaltung zu zahlen hatte, war ein ökonomisches Desaster, das seine Wirtschaft vom ersten bis zum letzten Tag massiv behinderte. Für den Westen dagegen war die Spaltung billig zu haben. Brachte sie der BRD doch eine machtvolle ökonomische Position gegenüber der DDR, die ihr ermöglichte, den Nachbarn wirtschaftlich zu strangulieren, ihn zu erpressen. Die für den Westen überaus günstigen ökonomischen Teilungsproportionen, die dort unangetasteten gigantischen Kriegsgewinne deutscher Konzerne und Banken wirkten zusammen mit der massiven Injektion von ausländischem Kapital durch den Marshallplan und den aus der DDR strömenden, natürlich gut ausgebildeten Arbeitskräften für ein Wirtschaftsgefälle zwischen den beiden deutschen Staaten. Drüben lockten höhere Löhne und ein Wirtschaftswunder, das alles Andere als verwunderlich war. Auch lockte die Ruhe vor der im Osten tobenden Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. In der DDR dagegen »lockte« erst mal nichts mehr als das Versprechen, das alles anders würde, harte Arbeit für Essenmarken und die Anwesenheit dieser Russen, die man zu hassen in den letzten Jahrzehnten von Kaiser & Führer von der Pike auf gelernt hatte.

In den Monaten vor dem »Mauerbau« hatte die DDR eine Schlacht in jenem Krieg an 1000 Fronten, den man drüben gegen sie am Laufen hielt, verloren. Wohlstand, Wirtschaftswunder und der behagliche Schlussstrich unter die Geschichte hatten kurz nach dem Krieg für zu viele weit mehr Anziehungskraft als Antifaschismus, Antimilitarismus und Sozialismus. Denn dies waren und sind keine Garanten für »Wohlstand und Vergnügen«, sondern für Verantwortung, für Siege und Rückschläge täglich – und vor allem für mächtige Feinde. Die offene Grenze öffnete nicht nur Währungs- und Warenspekulation Tür und Tor, sondern dies eben inmitten der Stadt mit der größten Dichte an Agenten sämtlicher Geheimdienste weltweit, auch Wirtschaftsspionage und Sabotage in Ausmaßen. In dieser Kon-stellation hätte kein Staat der Welt solch einen »Pfahl im Fleisch« auf Dauer ausgehalten.

Und tatsächlich: Niemanden in Paris, London oder New York, der einen Schimmer Ahnung hatte, verwunderte die Entscheidung für die Befestigung der Staatsgrenze zu Westberlin. Es war nicht nur eine ökonomisch stabilisierende Entscheidung, sondern eine friedenssichernde Maßnahme. Es war nicht nur die verhasste, sondern unter der realen Bedrängnis die einzig mögliche Lösung. Mehr blieb nicht, dafür hatte der Bruch des Potsdamer Abkommens im Westen gesorgt. Die Lösung »Mauer« war, wie Kennedy sagte, »keine sehr schöne Lösung, aber … verdammt noch mal besser als ein Krieg«. Auch Briten und Franzosen waren weit weniger entsetzt über den 13. August 1961, als es die westdeutschen Scharfmacher gerne gehabt hätten. Einer von ihnen, F. J. Strauß, frohlockte zuversichtlich: »Wenn die USA vier zusätzliche Divisionen zur Verfügung stellen, Großbritannien mobilisiert und Frankreich zusätzliche Divisionen heranführt, dann können wir eine größere militärische Aktion durchführen …« Dazu kam es nicht, denn wenn die Westmächte was gegen die Sowjetunion hatten – gegen den 3. Weltkrieg hatten sie mehr. Adenauer & Co. heulten noch lange das Klagelied von der ausgebliebenen militärischen Hilfe des Westens gegen die »Mauer« … Die Leute im Osten kostete diese Grenze ein großes Stück Bewegungsfreiheit in Richtung Westen, die Bundeswehr ein noch größeres Stück Bewegungsfreiheit in Richtung Osten; kostete die DDR Millionen, die sie nicht hatte, und einen Sympathieverlust, den sie selbst nicht ausgleichen konnte. Doch damit blieb die DDR weitere 29 Jahre, in denen das Potsdamer Abkommen wenigstens zwischen Elbe und Oder umgesetzt wurde. 29 Jahre, in denen 4 Meter Stahlbeton und eine NVA Krieg von deutschem Boden aus unmöglich machten.

»Antifaschistischer/Antimilitaristischer Schutzwall« – wer hat sich nicht alles über die Propaganda der DDR lustig gemacht! Manchmal werden die Beweggründe einer Entscheidung erst nach ihrer Revision sichtbar. Nach über 200 Mordopfern deutscher Faschisten (auch derer im Verfassungsschutz) seit dem Anschluss der DDR, nach der Durchführung des ersten deutschen Angriffskrieges nach 54 Jahren Waffenruhe mit Bomben auf Belgrad 1999 und einem Kriegseinsatz der Bundeswehr nach dem anderen ist uns das Lachen im Halse stecken geblieben. Mit jedem weiteren Schritt der Vorbereitung neuer, größerer Kriege der BRD um Rohstoffe und Absatzmärkte, mit jedem weiteren Bodengewinn des deutschen Militarismus in Schulen und Universitäten, mit jedem Aufhetzen gegen jene, die sozial an den Rand gedrängt werden, mit jedem weiteren Mordopfer deutscher Rassisten und Antisemiten wird klar, dass diese Grenze aufgehoben wurde, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen. Die Welt verändert sich, kein Stein bleibt auf dem anderen. Rückschritt gegen Fortschritt, Geschichte wird gemacht jeden Tag. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist der Kampf dagegen, sie Weltkrieg um Weltkrieg wiederholen zu müssen. Um den nebligen Weihrauch namens »Freiheit«, mit dem man nicht nur in diesen Tagen die Tränen in die Augen treiben möchte, ist es nicht schade. Kühl der Kopf und klar die Augen, schauen wir uns endlich um!

Wer möglichst viele Möglichkeiten hat, dessen Freiheit ist es. Hat der Arbeiter möglichst viele Möglichkeiten, ist es die Freiheit des Arbeiters. Hat das Kapital möglichst viele Möglichkeiten, ist es die Freiheit des Kapitalisten. Schau um dich, wer möglichst viele Möglichkeiten hat, und du weißt, wessen Freiheit das ist.

Berlin, 3. Oktober 2015, zum 25. Jahrestag der Annexion der Deutschen Demokratischen Republik

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Aus der Chronik des deutschen Militarismus seit 1989

Informationsbeilage zur Aktion am 3. Oktober 2015

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28.9.1989 „Ausgangspunkt für künftige Friedensverhandlungen muss das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 sein.“ Eduard Lintner (CSU), 28.9.1989

9.11.1989 Erfolgreiche westdeutsche Destabilisierung der DDR mit dem Fall ihrer Grenze. „Diese Leute spielen mit dem Weltkrieg, und sie merken es nicht.“ François Mitterrand (PSF), französischer Präsident, 10.11.1989

19.12.1989 Der westdeutsche Kanzler Kohl (CDU) besucht Dresden und wird von einer Massenkundgebung mit BRD-Fahnen begrüßt. Die Fahnen waren zuvor aus einem Lieferwagen an die Wartenden verteilt worden.

20.12.1989 Mitterrand besucht Berlin und erklärt die Solidarität Frankreichs gegenüber der DDR. Kohl fordert Mitterrand auf, mit ihm gemeinsam durch das geöffnete Brandenburger Tor zu schreiten. Mitterrand lehnt ab. „Kohl hat mir vorab nichts über seinen 10-Punkte-Plan gesagt; er weigert sich die Oder-Neiße-Grenze anzuerkennen. Und jetzt will er, dass ich seine Einnahme der DDR legitimiere? Das ist ein starkes Stück. Er kann doch nicht hoffen, dass ich in diese Falle gehe. Die französische Presse, die schreibt, ich begriffe nichts. [...] Die Journalisten sind immer bereit, sich den Siegern zu Füßen zu werfen, so wie 1940.“ François Mitterrand

17.1.1990 Die westdeutsche Regierung lehnt einen Entwurf der DDR-Regierung für einen „Vertrag über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft“ ab.

10.2.1990 Gegen hohe Finanzhilfen gesteht die sowjetische Regierung der BRD zu, die Annexion der DDR ohne Bedingungen durchführen zu können.

30.3.1990 Kohl fordert auf einem westdeutsch-britischen Gipfeltreffen, Polen solle sich für das „nach 1945 an Deutschen begangene Unrecht“ entschuldigen.

16.8.1990 7 westdeutsche Kriegsschiffe mit 500 Soldaten gehen wegen der „Golf-Krise“ im östlichen Mittelmeer „vorläufig“ in Stellung.

30.8.1990 Einrichtung des „Bundeswehrkommandos Ost“ in Strausberg, auf dem Gebiet der DDR unter Bruch des „Grundlagenvertrags“ von 1972.

3.10.1990 Annexion der DDR. Verteidigungsminister Stoltenberg (CDU) schlägt der NATO die Stationierung eines deutschen Bombergeschwaders in der Türkei vor.

17.10.1991 „Die Volksrepublik Polen besitzt über die Gebiete östlich von Oder und Neiße keine territoriale Souveränität, sondern lediglich Gebietshoheit.“ Hartmut Koschyk (CDU), BDV-Generalsekretär

1.1991 „Ich glaube, das gehört Ihnen.“ Mosheh Arens (Halikud), israelischer Verteidigungsminister, bei der Übergabe des Teils einer in Israel eingeschlagenen irakischen Rakete an Außenminister Hans Genscher (FDP)

17.1.1991 Ein „Nachbarschafts- und Zusammenarbeitsvertrag“ Deutschlands mit Polen wird abgeschlossen. Deutschland wird 70% der Verpflichtungen nicht erfüllen, die aus diesem Abkommen resultieren.

7.1991 34 deutsche Soldaten werden im jugoslawischen Zagreb stationiert, um im Rahmen der UN-Hilfsflüge nach Sarajevo zu fliegen.

8.1991 Stationierung deutscher Luftwaffe in Bahrain.

11.1991 Auf deutschen Druck hin beschließen Außenminister der EC-Staaten Sanktionen gegen Jugoslawien.

23.12.1991 Zerschlagung Jugoslawiens durch deutsche Anerkennung der Republiken Slovenija und Hrvatska als unabhängige Gebilde im Alleingang, 23 Tage vor dem den anderen EC-Staaten angegebenen Termin. Die separatistische „Republik Hrvatska“ wird mit deutschen Waffenlieferungen unterstützt.

26.6.1992 „Für jeden Staat müsste es eine Ehre sein, Waffen an Kroatien geliefert zu haben.“ FAZ

22.5.1992 142 deutsche Soldaten und 75 Grenzschutzbeamte werden nach Kambodscha gesandt. In Phnom Penh wird ein Feldlazarett eingerichtet.

1.6.1992 „Die Deutschen sind auf militärische Aktionen nicht vorbereitet und müssen erst allmählich daran gewöhnt werden.“ Volker Rühe (CDU), Kriegsminister

22.6.1992 „Nicht zuletzt auf unser Betreiben konnten die UN-Sanktionen gegen Serbien und Montenegro beschlossen werden.“ Klaus Kinkel (FDP), Außenminister

18.7.1992 Die Deutsche Marine isoliert Jugoslawien im Adriatischen Meer im Unternehmen „Scharfe Wacht“. Der BND nutzt die deutsche Abschirmung zur Lieferung weiterer Waffen an die separatistischen Republiken „Hrvatska“ und „Bosna-Hercegovina“.

8.1992 Einrichtung eines deutschen Luftwaffenstützpunktes im kenyanischen Mombasa.

1.1.1993 Teilung der Tschechoslowakei. Die HSS der CSU finanzierte die separatistische „Bewegung für eine demokratische Slowakei“ (HZDS) unter V. Mečiar.

13.1.1993 Beschluss einer Grundgesetzänderung, die weltweite Einsätze der Bundeswehr möglich macht.

16.5.1993 Deutsche Intervention in Somalia.

30.5.1993 Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erklärt auf dem „Sudetendeutschen Tag“, dass die „Sudetendeutsche Frage“ offen sei.

5.11.1993 Das deutsch-französische „Eurokorps“ wird im französischen Strasbourg in Dienst gestellt.

22.3.1994 Die deutsche Bundeswehr beteiligt sich an einer UN-Mission in Georgien zur Beibehaltung des Status Quo der separatistischen „Republik Abchasija“.

30.8.1995 Das „Deutsch-niederländische Korps“ wird in Münster in Dienst gestellt. Die Niederlande bringen ihre gesamte Armeestruktur ein, eine eigenständige niederländische Armee existiert nicht mehr. „Die Niederländer führen ihre Heereskräfte von Deutschland aus.“ Volker Rühe, 5.2.1996

9.1995 Eine deutsche Waffenlieferung an Afghanistan wird aufgedeckt: u.a. Panzerfäuste, 146 Zubehörteile sowie Nachrichtengeräte im Wert von 34,5 Mio. Mark.

11.2.1996 Beginn der deutschen Unterstützung für die „Befreiungsarmee des Kosovo“ (UÇK) in der jugoslawischen autonomen Provinz Kosovo-Metohija, der separatistischen „Republik Makedonija“ und Albanien. Die UÇK wird von BW-Spezialkräften in Albanien ausgebildet, ein deutscher Militärberater in Tiranë ist mit Fragen der UÇK-Bewaffnung befasst.

20.6.1996 Eine Resolution des Bundestags fordert die „ethnische Selbstbestimmung“ der chinesischen autonomen Region Xizang.

10.1997 Dschungelkampfausbildung der „Deutsch-französischen Brigade“ in Gabun.

10.1998 Das deutsche „Aufsichtsamt für das Kreditwesen“ leitet 180 Verfahren gegen Unternehmen ein, die Mio.Mark für Waffenkäufe zur UÇK transferiert hatten. 1.1999 Im Haushalt des deutschen Innenministeriums für 1999 stehen 115 Millionen Mark für die „Unterstützung deutscher Minderheiten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa einschließlich nicht-europäischer Nachfolgestaaten der Sowjetunion“ bereit.

24.3.1999 Deutscher Angriff auf Jugoslawien, „Kosovo-Krieg“. „Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung [...] mit militärischen Mitteln durchzusetzen.“ Gerhard Schröder (SPD), deutscher Kanzler (ARD, 24.3.1999)

9.6.1999 Jugoslawien kapituliert. Ende des „Kosovo-Kriegs“ mit 6.500 Toten.

13.6.1999 Deutsche Annexion des jugoslawischen Gebiets um Prizren als Protektorat. Im Zug der deutschen Besatzung werden von der UÇK etwa 10.000 Serben, Roma und Juden aus der Zone Prizren vertrieben.

30.8.1999 Die Deutsche Mark wird offizielles Zahlungsmittel in der besetzten jugoslawischen autonomen Provinz Kosovo-Metohija.

18.9.1999 Das „Multinationale Korps Nordost“ aus dänischen, deutschen und polnischen Truppen wird im polnischen Szczecin stationiert.

10.1999 Einsatz der deutschen Bundeswehr in der Provinz Timor-Leste und in Australien.

3.2000 Beginn eines Auslandseinsatzes der deutschen Bundeswehr in Moçambique.

7.2001 Bildung des „Einsatzführungskommandos“ als Generalstab der deutschen Bundeswehr, der 1945 im „Potsdamer Abkommen“ verboten worden war.

11.2001 „Deutschland habe auf eine amerikanische Bitte geantwortet, sagt Herr Schröder, aber Washington hat Deutschland nie zu einer Beteiligung entweder an Luftangriffen oder der Stationierung von Bodentruppen aufgefordert. Tatsächlich hat Deutschland, wie Italien, Washington dazu gedrängt, auf die Angebote militärischer Hilfe einzugehen, die unmittelbar nach dem 11. September gemacht wurden.“ International Herald Tribune

15.2.2002 Deutsche Truppenentsendung nach Usbekistan zur Einrichtung eines Luftstützpunkts in Termez.

19.3.2002 Deutschland übernimmt die „taktische Führung“ der „Multinationalen Brigade“ in der Hauptstadt Qabol und damit de facto das Kommando über die europäisch-amerikanischen Truppen in Afghanistan.

27.3.2002 Das neue satellitengestützte Navigationssystem „Galileo“ wird von der EU beschlossen, das Deutschland vom amerikanischen „Globalen Positionierungssystem“ (GPS) unabhängig machen soll.

8.4.2002 Im Auswärtigen Amt gibt es erste Planungen zu einer deutschen Intervention in Israel.

4.5.2002 Deutschland übernimmt Führung der europäischen Kriegsmarineverbände am Horn von Afrika.

8.2002 Beginn einer Kampagne deutschsprachiger Belgier für mehr „Autonomie“.

6.2003 Deutsche Truppen werden im Unternehmen „Artemis“ nach Uganda verlegt.

19.9.2003 Die Deutsche Marine beginnt das Unternehmen „Straße von Gibraltar“. Damit kontrolliert die Deutsche Marine mit Gibraltar und dem Horn von Afrika beide Zugänge zum Mittelmeer.

28.1.2004 Die deutsche Regierung beschließt die Entsendung von Truppen nach Äthiopien. Die ersten deutschen Militärbeobachter treffen am 22.2.2004 ein.

15.11.2004 Ein BW-„Ausbildungskommando“ wird in die „Vereinigten arabischen Emirate“ (IAM) gesandt.

2005 Beginn Werbekampagne „Du bist Deutschland“

28.4.2005 In Togo macht sich die Wut über fortgesetzte deutsche Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Staats in einem spontanen Angriff auf das „Goethe-Institut“ in der Hauptstadt Lomé Luft.

26.1.2006 Der ehemalige westdeutsche Verteidigungsminister Scholz (CDU) fordert eine Bewaffnung Deutschlands mit Atombomben.

21.3.2006 Die deutsche Regierung erklärt, das Kommando über die europäischen Interventionstruppen im Kongo übernehmen zu wollen.

4.9.2009 Oberst Georg Klein ordnet die Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklaster nahe dem afghanischen Kunduz an. Bei dem Luftangriff sterben bis zu 142 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten. Auch dieses deutsche Kriegsverbrechen bleibt ohne Folgen für die Täter. Oberst Klein, selbst von der NATO mit massiven Vorwürfen konfrontiert, wird zum Hohn der Opfer zum Brigadegeneral befördert.

26.11.2009 „... Unter den einfachen Mannschaften [der Bundeswehr sind] die Ostmänner mit 62 Prozent weit in der Mehrheit. ... Tatsächlich kommen viele der in Afghanistan Gefallenen, 13 von 35, aus den neuen Ländern.“ („Arbeitslos oder Afghanistan – Kanonenfutter aus dem Anschlussgebiet“, Die Zeit)

1.3.2011 Die zeitweilige Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bildet den derzeitigen Höhepunkt im Umbau der Bundeswehr zur Hightech-Interventionsarmee.

15.6.2012 Aufstellung der ersten Kompanie der „Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte“ (RSU) zur Einbeziehung von Reservisten in Bundeswehreinsätze im Innern inkl. „Aufstandsbekämpfung“. Bis 2013 werden in allen Bundesländern solche faktischen Heimatschutzkommandos aufgestellt, allein in Bayern 7.

2/2014 Die BRD erkennt die ukrainische Putschistenregierung an, an der Faschisten beteiligt sind. Damit steht die BRD wie zuvor in Jugoslawien an vorderster Front bei der Unterstützung faschistischer Kräfte zur Destabilisierung der Nachbarstaaten Russlands.