Unentdecktes Land

 

 

Stellungnahme des Unentdecktes Land e.V. zu Hubertus Knabe und Beatrix von Storch (AfD)

 

Unsere für den 5.8. angekündigte Veranstaltung mit dem Rotfuchs Förderverein aus Anlass des 13. August konnte trotz Verleumdungen, Presshetze und Drohanrufen im Vorfeld, trotz Ortswechsels und trotz Angst vor Übergriffen erfolgreich durchgeführt werden: mit 50 Teilnehmern aller Altersgruppen. Wir danken allen Teilnehmenden herzlich für ihr sachliches Interesse und ihre Diskussionsfreude.


Was war im Vorfeld geschehen? Am 3. August behaupten Redakteur Olaf Wedekind und Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe in der Bild-Zeitung fälschlich, die Zeitschrift RotFuchs und der Unentdecktes Land e.V. wollten den Mauerbau und die Toten an der DDR-Grenze feiern.

Nichts in den Veröffentlichungen der beiden Vereine weist auf die Absicht hin, zu "feiern".

Die Falschaussage übernehmen in den kommenden Tagen „B.Z.“, „Times“, „Berliner Woche“, die rechte Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“ u.a. Ole Kreins (SPD) und Kai Wegner (CDU) rufen auf, einen herbeifabulierten „Festakt“ zu verhindern. Beatrix von Storch (AfD) betitelt in der "Jungen Freiheit" den RotFuchs und den Unentdecktes Land e.V. als „brandschatzende, mit faschistoiden Methoden agierende, menschen- und demokratieverachtende Antifa". Dem RotFuchs wird telefonisch mit Angriffen auf eine Veranstaltung im Vorfeld des 13. August gedroht. Presse und Bezirksamt erzwingen, dass die Veranstaltung nicht in den angekündigten Räumen stattfinden kann.
 

Dazu erklären wir: Die Behauptung von Hubertus Knabe und Beatrix von Storch, der Verein »Unentdecktes Land« feiere den Mauerbau, ist eine Verleumdung und verhöhnt die Opfer des Mauerbaus wie auch die Opfer des Mauerfalls.

Hubertus Knabe und Beatrix von Storch verhöhnen die Opfer des Mauerbaus. Sie instrumentalisieren die Toten für ihre egoistischen politischen Zwecke und schweigen sich über die Schuldigen für den Mauerbau aus. Schuld am Mauerbau war die BRD mit ihrem Wirtschaftskrieg gegen die DDR, mit ihrer Boykotthetze und mit ihren Plänen zur militärischen Eroberung der DDR. Gegen eine militärische Lösung wandte sich auch der Präsident der USA, John F. Kennedy, als er sagte, die Mauer sei »keine sehr schöne Lösung, aber … verdammt noch mal besser als ein Krieg«.

Hubertus Knabe und Beatrix von Storch verhöhnen auch die Opfer des Mauerfalls. Seit 1990 können deutsche Faschisten sich auch in der annektierten DDR organisieren, staatliche Gelder einstreichen, durch das Land marodieren und über 200 Menschen ermorden. Seit 1990 versinkt das Gebiet der annektierte DDR in Massenarbeitslosigkeit, Deindustrialisierung, Kinderarmut. Seit 1990 wird das Asylgesetz der BRD demontiert, krepieren Flüchtlinge in Auffangstellen, Abschiebegefängnissen und vor allem im Mittelmeer. Und seit 1990 werden zahllose Staaten mit Krieg überzogen, Millionen getötet und dadurch auch reaktionärsten Bewegungen wie dem IS der Boden bereitet. Über all diese Opfer des Mauerfalls schweigen Hubertus Knabe und Beatrix von Storch sich aus.

Der Verein »Unentdecktes Land« wird sich nicht von Leuten wie Hubertus Knabe, die als Nazismusrelativierer bekannt sind, und auch nicht von Leuten wie Beatrix von Storch, die als Nationalisten und Rassisten bekannt sind, die Versammlungsfreiheit und Redefreiheit nehmen lassen. Die angekündigte antimilitaristische Großtransparentaktion „Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir wieder gemeinsam in den Krieg ziehen!“, die sich gegen die Verhöhnung der Opfer des Mauerbaus, gegen die Verhöhnung der Opfer des Mauerfalls und gegen die deutschen Kriege und Kriegstreiber richtet, wird am 13. August ab 14:00 Uhr auf dem Pariser Platz stattfinden – trotz Konfrontationsdrohungen in der Presse seitens einer vom „Förderverein der Gedenkstätte Hohenschönhausen“ und der „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“ angemeldeten Kundgebung am gleichen Ort stattfinden.

Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind keine Güter, die mit Schlagzeilen und Titelseiten gehandelt werden. In einer Demokratie muss um ein Geschichtsbild gestritten werden können, auch öffentlich. Es wird nicht verordnet, auch nicht von einem Hubertus Knabe, einer Beatrix von Storch oder einer Bild-Zeitung.

Unentdecktes Land e.V.

 


Aufruf zur Aktion zum 55. Jahrestag der Sicherung der Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik

Sonnabend, 13. August · 14 bis 17 Uhr · Pariser Platz, Berlin

 

English version: Call to Rally on the 55th Anniversary of Safeguarding the Border of the German Democratic Republic · Saturday, August 13th, 2016 · 14:00-17:00 Uhr · Pariser Platz, Berlin

 

Am 13. August 1961 wurde »die Mauer« um Westberlin gebaut. Antifaschistisch – so nannte die DDR ihre Grenze. Heute sagen sie, dass dieser Antifaschismus keiner war. Aber er war so viel mehr als jetzt: Mit ihm wären keine AfD und Pegida, keine brennenden Unterkünfte für Geflüchtete und keine über 200 von Faschisten getöteten Menschen seit 1990 möglich gewesen.

Dass es hinter dieser Grenze im Osten keine Reichen gäbe, aber ein Auskommen für alle, sagte die DDR. Heute sagen sie, dass die Leute in dieser DDR arm waren und unglücklich. Aber Glück gab es dort so wie Unglück, und gereicht hat es dort für alle, und nicht nur zum Überleben wie heute. Es hat auch gereicht für die fast 25 % der Kinder, die hier und heute in Armut leben müssen.

Wenigstens könne nun jeder überall hin, sagen sie uns täglich und trauern medienwirksam um 1000 Tote in 40 Jahren »deutsch-deutsche Grenze«. Doch Tränen gibt es nur für Deutsche. Für die 1000 monatlich an den »europäischen Außengrenzen« Ertrinkenden rollt keine. Das Mittelmeer, ein Massengrab, ausgehoben vor allem von Deutschland. Dort wird leise gestorben, anonym, ohne Mauershow.

Dass die Grenze den Frieden in der Welt bewahre, war der DDR besonders wichtig zu betonen. Heute sagen sie, dass dieser Frieden keiner war. Aber er war so viel mehr als jetzt, gab einem Jugoslawien, gab einer Ukraine Raum für alle, die dort leben mochten. Er gab Staaten wie Afghanistan, Irak, Syrien und anderen ein Existenzrecht, all jenen Orten, die man seit 1990 mit Krieg überzieht, Millionen tötet und dadurch auch reaktionärsten Bewegungen wie dem IS den Boden bereitet.

Deutschland führt wieder Krieg, seit dem Fall dieser Grenze, die einst gebaut wurde, um zu verhindern, dass er jemals wieder von deutschem Boden ausgeht. So war sie ein zu Stein gewordenes Widerwort. Nach dem Abriss dieses Widerwortes brauchte es keine 10 Jahre, da bombardierten deutsche Bomber Belgrad, ein drittes Mal in der deutschen Geschichte. Die DDR sollte Recht behalten.

Die jetzt herrschende Meinung ist die der jetzt herrschenden Kriegstreiber und Verelender – so wie es auch ihre Meinung zu dieser Grenze ist, die gebaut wurde, um ihre Freiheit zu beschneiden.

Wir meinen: Es ist höchste Zeit für Widerworte!


Unentdecktes Land e.V.
www.unentdecktes land.org · info@unentdecktes-land.org

 


 

Ein verbotener Film und ein verboten gutes Buch: »Spur der Steine« – der DDR auf der Spur

Sonnabend, 13.02.2016 · 17:30–20:30 Uhr · Café Sibylle · Karl-Marx-Alle 72 · 10243 Berlin

Werner Tübke: Zimmerbrigade Schirmer

Wir laden ein zur kommentierten Vorführung des Films »Spur der Steine« (DDR, 1966) mit anschließender Diskussion. Ludwig Bodemann wird in den Film einführen und ihn kommentieren. Anschließend wollen wir, auch im Vergleich mit dem zugrundeliegenden Roman von 1964, die im Film dargestellten Geschichten des Lebens im Sozialismus im Abgleich zu der Lebenswirklichkeit in der DDR diskutieren.

 

Eine Veranstaltung des »Unentdecktes Land e.V.« in Kooperation mit dem Café Sibylle

www.unentdecktes-land.org · www.cafe-sibylle.de

 

 


 

 

3.Oktober 2015 · Potsdamer Platz · Berlin

 

Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen

This border was torn down, so that together we can go to war again

Эта граница была упразднена, чтобы мы снова вместе втянулись в войну

Cette frontière on a annulé afin que nous soyons entrés en guerre ensemble encore

东西德的边界已经不复再   这样我们就被送上前线

αυτό to σύνορο καταργήθηκε, γia va μπορούμε να τραβηξούμε μαζί στον πόλεμο

De grens werd opgeheven zodat we samen opnieuw de oorlog tekenen

Questa frontiera è stata eliminata, affinché noi possiamo insieme nuovamente andare in guerra

Ez a határ azért lett eltörölve, hogy újra együtt mehessünk a háborúba

Bu sınır kaldırıldı, savaşa yine birlikde girmek için

 

 

Aufruf zur Aktion am 3. Oktober 2015

Die Annexion der DDR verschaffte dem deutschen Imperialismus die Basis, sein Weltmachtstreben auf dem Rücken aller auszuagieren.

Nach innen mit der Abschaffung des Asylrechts 1993, mit staatlicher Duldung faschistischer Mordbrennereien, mit Demontage der Löhne und Renten in Ost und West und Entrechtung der Arbeitslosen, mit nazi-verharmlosenden Schlussstrichen und Entschädigungsabwehr für die deutschen Verbrechen in den Weltkriegen. Nach außen mit Bomben auf Belgrad 1999, die nur der Startschuss für weitere weltweite Einsätze der deutschen Angriffsarmee Bundeswehr waren, mit staatlicher Förderung 5. Kolonnen, mit völkischem und antisemitischem Ideologieexport, mit politischer Überstimmung und ökonomischer Überschwemmung der EU-Länder.

»Wir werden uns wieder mit den ganz uninteressanten Fragen auseinanderzusetzen haben«, beklagte der jüngste DDR-Bürger Ronald Schernikau diesen epochalen Rückschritt vom realen Sozialismus in den Sumpf der Barbarei: »Am 9. November 1989 hat in Deutschland die Konterrevolution gesiegt. Ich glaube nicht, dass man ohne diese Erkenntnis in der Zukunft wird Bücher schreiben können.«

1999 wurde gefragt: Ob die Grenze aufgehoben wurde, damit wir zusammen in den Krieg ziehen? Der deutsche Imperialismus führt wieder Krieg, hat so massiv und ungehindert aufgerüstet, dass wir feststellen müssen: DIESE GRENZE WURDE AUFGEHOBEN, DAMIT WIR GEMEINSAM WIEDER IN DEN KRIEG ZIEHEN!

Mit dieser Aktion soll den Menschen in Ost und West die objektive Situation in diesem Land und der Weg der Kriegsvorbereitung, den es seit 1990 beharrlich erstürmt, nüchtern vor Augen geführt werden. Vor den deutschen Kriegstreibern ist niemand mehr sicher. Es wird Zeit, ihnen die Hände zu zerschlagen, bevor sie die Vorkriegszeit wieder beenden, die am 3. Oktober 1990 ausbrach.

Informationstext zur Aktion

Es ist Krieg allerorten, und »wir Deutschen sind wieder wer« und dabei und vorneweg. Krieg wofür? Als sich 1992 gerade der Staub der einstürzenden Mauerteile in Berlin gelegt hatte, gab es die Antwort von Bundeskriegsminister Rühe, dessen Sicht nach Osten keine NVA-Kaserne mehr störte: »Für die Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt …« Ab da war klar, was auf westdeutscher Seite hinter dem Stahlbeton der deutschen-deutschen Grenze über 40 Jahre auf Revanche gelauert hatte. Wenn es nicht da schon klar war, dann doch spätestens 6 Jahre später, als die Einschläge deutscher HARM-Luft-Boden-Raketen von deutschen Tornados Krater in jugoslawischen Boden schlugen, wo eine Generation früher der Donner der faschistischen Wehrmacht erst über Bergen von Ermordeten verhallt war. Spätestens nach diesem ersten deutschen Angriffskrieg seit dem letzten deutschen Weltkrieg war ein armselig dummer Tölpel, wer sich noch mit dem Sandsäcke-Schippen und Suppe-Verteilen »unserer Jungs« an der Oder die »Friedenstruppe« vorgaukeln ließ. Heute haben die Siemens, Krupp und Deutsche Bank einen Gauck und gauckeln schon nicht mehr vom Friede. Der Ton ist schärfer geworden. Die Militarisierung der Gesellschaft, die Weltmeister-Rüstung, die offene Kriegsvorbereitung und das Trampeln deutscher Armeestiefel dort, wo die Wehrmacht immer schon hin wollte, ist so »normal« wie der Bundeswehr-TV-Spot zwischen Deutschländerwürstchenwerbung und Knopperswerbung. »Wir. Dienen. Deutschland.«

Doch der Fall der Mauer fällt nicht zufällig mit dem Fall der bis dato längsten Friedensetappe Europas, das Ende der DDR nicht zufällig mit dem Ende der deutschen Nachkriegszeit zusammen. Denn diese Staatsgrenze war nicht irgendeine Grenze, der Staat, der sie am 13. August 1961 befestigte, nicht irgendein Staat. Zu beiden führte eine Geschichte, die wie so viele deutsche Geschichten mit einem Krieg begann. Diesmal der 2. Deutsche Weltkrieg, und was es an Bestialität gegen die Menschheit bis dato gab, Nazideutschland überflügelte alles Dagewesene. Es definierte mit der Shoa die Feindschaft gegen das menschliche Leben neu. Zum Entsetzen der zivilisierten Welt. Die schlug vereint im Namen der Freiheit und des Lebens den deutschen Faschismus nieder. Eine Befreiung! Sbasibo – Thanks – Merci und Danke!

Die Befreier vergalten nicht Gleiches mit Gleichem. Das deutsche Volk wurde nicht erschossen, erschlagen, verbrannt, weder ausgehungert noch vergast, so wie es die Deutschen mit Millionen getan hatten. Was stattdessen zu tun sei, war zu beraten. Dazu trafen sich die Regierungsspitzen der 4 wichtigsten Staaten der Anti-Hitler-Koalition. Und weil das in Potsdam geschah, genau am 2. August 1945, nannte man das Ergebnis dieser Beratung fortan das Potsdamer Abkommen. Seine wichtigsten Beschlüsse gingen als die »4 Ds« in die Geschichte – und im Osten auch in die Geschichtslehrbücher und vor allem in das gesellschaftliche Leben ein. D wie …

  1. Denazifizierung: Verbot der NSDAP und aller anderen Nazivereine, Bestrafung aller Kriegsverbrecher, faschistische, rassistische, antisemitische, chauvinistische Propaganda unter Strafe.
  2. Demilitarisierung: Völlige Abrüstung, Zerschlagung aller militärischen und zum Erhalt der militärischen Tradition geeigneten Organisationen. Zerschlagung der Rüstungsindustrie.
  3. Demokratisierung: Umgestaltung des öffentlichen Lebens auf demokratischer Grundlage, Abschaffung sämtlicher Gesetze und Verordnungen der Nazis, Zulassung antifaschistischer Organisationen.
  4. Dezentralisierung: Vernichtung der bestehenden übermäßigen Konzentration der Wirtschaftskraft, dargestellt insbesondere durch Kartelle, Syndikate, Trusts und andere Monopolvereinigungen.

Weiterhin legte das Abkommen die Nachkriegsgrenzen fest. Ganz anders als aus Bonn kam aus dem Osten dazu kein zorniger Protest, kein chauvinistisches Geschrei. Im Gegenteil: Am 6.6.1950 wurde im nun polnischen Teil von Görlitz die neue Grenze zwischen Deutschland und Polen feierlich besiegelt. Adenauer tobte über das Görlitzer Abkommen und fasste zusammen, was man in der BRD von der Oder-Neiße-Friedensgrenze hielt: »Lassen Sie mich mit letzter Klarheit sagen, das Land jenseits der Oder-Neiße-Grenze gehört für uns zu Deutschland …« Applaus für solche Sprüche gab es von den mit Nazis vollgestopften Vertriebenenverbänden, die entgegen den Potsdamer Beschlüssen in Westdeutschland wie Pilze aus dem Boden schossen und ihr revanchistisches Gift verspritzten.

Deutschland wurde aufgeteilt in vier Besatzungszonen, drei für Frankreich, Großbritannien und die USA und eine für die Sowjetunion, kurz SBZ. Während man in der SBZ daran ging, ein D des Potsdamer Abkommens nach dem anderen umzusetzen, blieb es in den westlichen Besatzungszonen im Großen und Ganzen bei den »guten alten deutschen Verhältnissen«. Mehr und mehr war der Antrieb allen Handelns nicht mehr die Sorge um eine Wiederholung der braunen Pest des deutschen Faschismus. Die Westmächte sahen immer großzügiger weg und Rot. Die neue Rechnung der Westmächte: Der Feind der Bolschewisten ist mein Freund. Wer nur kräftig genug ins antikommunistische Horn stoßen konnte, bekam den Zucker in den Arsch, Waffen und Munition. Noch der letzte Altnazi, Bandit und islamistische Klerikalfaschist war gut genug für den Kampf gegen die Sowjetunion. Es war der Ruf des Westens nach jenen Geistern, die auch heute Schneisen des Terrors schlagen. Die drei Westzonen wurden eine große »Trizone«, gegen die kleine vierte. Ein Teilungsplan, wie sich bald zeigen sollte. Die vormals gemeinsamen Beschlüsse wurden mit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition in der Westzone eine störende Unwichtigkeit. So fand das deutsche Großkapital und sein Faschistenpack sein Winterquartier, im Schatten des Antikommunismus des sich abzeichnenden Krieges gegen die Sowjetunion. Der Umgang mit den Potsdamer Beschlüssen wurde zur Roten Linie zwischen den Zonen.

Während im Osten auf die Kriegsverbrecher und Finanziers des Hitler Enteignung und Todesstrafe warteten, kamen sie in Westdeutschland in die Regierung und bauten sich eine neue Armee und auf Basis ihrer Kriegsbeute neue Firmenimperien auf. Wo ihre Geschichte, die Geschichte der Siemens, Daimler, Deutsche Bank & Co., in der DDR mit der Überführung in Volkseigentum endete, ging sie in der BRD ungebremst weiter. Justiz, Wissenschaft, Forschung & Schule, Wirtschaft, Gesundheitswesen – wohin man auch schaute, der Osten machte es anders, der Westen machte nur weiter. Die BRD baute auf die alten Experten – wirtschaftlich rechnete sich das. Die DDR riss jede alte Struktur nieder, auch wenn erstmal nichts mehr funktionierte und sie das wirtschaftlich ins Minus riss.

Durch Deutschland ging ein tiefer Riss, nicht nur entlang der Fragen des Potsdamer Abkommens. Für den Westen konnte er nicht schnell und tief genug gehen. Dort gab man Richtung und Geschwindigkeit vor: Verweigerung der vereinbarten Reparationsleistungen an die Sowjetunion, endgültige Spaltung des deutschen Wirtschaftsraums durch eine separate Währungsreform, Gründung des Separatstaates BRD, Einordnung in das westliche Militärbündnis NATO, Aufstellung der Bundeswehr unter Führung von Nazimilitärs. Der SBZ blieb nur, um den 1945 gemeinsam mit dem Westen eingeschlagenen Kurs zu betteln und dann mit Tatsachen zu reagieren: Gründung der DDR und des Warschauer Verteidigungspaktes, Aufstellung der NVA, Sicherung der Staatsgrenze der DDR. Geschichte lässt sich nicht betrachten ohne Zusammenhang.

Wovor hatte Adenauers Westen so eine Angst? Was war so unannehmbar für das Gebiet der alten deutschen Banken und Konzerne? Warum wurde jedes Angebot des Ostens, sich an einen Tisch zu setzen, abgelehnt? • Wollte man Frieden und nicht Krieg? Wohl kaum: Auf die vorgeschriebenen Abrüstungsmaßnahmen wurde im Westen geschissen. Mit Nazi-Generälen baute man die Führung einer gegen das Potsdamer Abkommen aufgestellten Bundeswehr. »Wer als ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS die Pflege soldatischer Tradition sucht, ist als ehemaliger Soldat bei der Bundeswehr willkommen«, sagte, um da keinen Zweifel aufkommen zu lassen, 1965 Ulrich von Hassel, BRD-Kriegsminister. • Oder ging es um die Menschenrechte, ging es um die Brüder und Schwestern in der Zone? Wohl kaum: Denn wer mit der Instrumentalisierung des innerdeutschen Handels und der Verhängung von Embargos und Boykotts gegen die DDR und damit immer auch gegen ihre Bevölkerung schoss und dafür sorgte, dass der Anfang dort besonders schwer war, kann sich die Heuchelei über die »armen Ossis« sparen. • Wollte Bonn lieber ein geeintes, friedliches, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland ohne Besatzungsmächte als eine sozialistische DDR nach sowjetischem Vorbild? Wohl kaum: Denn genau dies bot die Sowjetunion dem Westen u.a. 1952 mit der sogenannten »Stalin-Note« vergeblich an. Ja selbst, dass die verhasste UdSSR damit die verhasste DDR für ein neutrales, entmilitarisiertes Deutschland drangegeben hätte, konnte die BRD nicht erweichen. Die »Stalin-Note« wie alle anderen Angebote von Sowjetunion und DDR für eine gesamtdeutsche Verständigung wurde abgelehnt, der eingeschlagene Kurs in die Spaltung betoniert.

Der zentrale Widerspruch zwischen den Lagern war offensichtlich nicht irgendeine »Freiheit« oder das »traurige Schicksal der Menschen in der Zone«. Der Widerspruch, der den Riss zwischen den Himmelsrichtungen aufmachte, war ein anderer: So wie das Führungspersonal des Nazi-Reiches in den Westen floh, flohen dorthin die Eigentümer der Banken und Konzerne, die ihren Hausmeister Adolf Hitler einst für den Raubzug großmachten. Jenseits der Grenzen der SBZ waren sie sicher, die Umsetzung des Potsdamer Abkommens hätte auch ihr Ende bedeutet. So wurde die Staatsmacht BRD mit alledem, was sie ausmachte, zum Garanten der Nichtumsetzung des Potsdamer Abkommens in Westdeutschland. Sie wurde zur Schutzmacht der Banken und Konzerne, deren Vernichtung im Osten vollzogen wurde. Sie wurde zur Schutzmacht der Nazigrößen und Kriegsverbrecher, deren Bestrafung und Enteignung im Osten zur Realität wurde. So wie die Trizone mit der Gründung des Separatstaates BRD diesen Status betoniert hatte, konnte auch die SBZ darauf nur mit einer Staatsgründung reagieren, um ihre Position an dieser Front zu befestigen. Die Deutsche Demokratische Republik wurde damit, mit alledem, was sie ausmachte, zum Garanten der Umsetzung des Potsdamer Abkommens und damit zur Umsetzung der Forderungen der vom deutschen Faschismus Überfallenen wenigstens in einem Teil Deutschlands.

Der Preis, den der Osten für die aufgezwungene Spaltung zu zahlen hatte, war ein ökonomisches Desaster, das seine Wirtschaft vom ersten bis zum letzten Tag massiv behinderte. Für den Westen dagegen war die Spaltung billig zu haben. Brachte sie der BRD doch eine machtvolle ökonomische Position gegenüber der DDR, die ihr ermöglichte, den Nachbarn wirtschaftlich zu strangulieren, ihn zu erpressen. Die für den Westen überaus günstigen ökonomischen Teilungsproportionen, die dort unangetasteten gigantischen Kriegsgewinne deutscher Konzerne und Banken wirkten zusammen mit der massiven Injektion von ausländischem Kapital durch den Marshallplan und den aus der DDR strömenden, natürlich gut ausgebildeten Arbeitskräften für ein Wirtschaftsgefälle zwischen den beiden deutschen Staaten. Drüben lockten höhere Löhne und ein Wirtschaftswunder, das alles Andere als verwunderlich war. Auch lockte die Ruhe vor der im Osten tobenden Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. In der DDR dagegen »lockte« erst mal nichts mehr als das Versprechen, das alles anders würde, harte Arbeit für Essenmarken und die Anwesenheit dieser Russen, die man zu hassen in den letzten Jahrzehnten von Kaiser & Führer von der Pike auf gelernt hatte.

In den Monaten vor dem »Mauerbau« hatte die DDR eine Schlacht in jenem Krieg an 1000 Fronten, den man drüben gegen sie am Laufen hielt, verloren. Wohlstand, Wirtschaftswunder und der behagliche Schlussstrich unter die Geschichte hatten kurz nach dem Krieg für zu viele weit mehr Anziehungskraft als Antifaschismus, Antimilitarismus und Sozialismus. Denn dies waren und sind keine Garanten für »Wohlstand und Vergnügen«, sondern für Verantwortung, für Siege und Rückschläge täglich – und vor allem für mächtige Feinde. Die offene Grenze öffnete nicht nur Währungs- und Warenspekulation Tür und Tor, sondern dies eben inmitten der Stadt mit der größten Dichte an Agenten sämtlicher Geheimdienste weltweit, auch Wirtschaftsspionage und Sabotage in Ausmaßen. In dieser Kon-stellation hätte kein Staat der Welt solch einen »Pfahl im Fleisch« auf Dauer ausgehalten.

Und tatsächlich: Niemanden in Paris, London oder New York, der einen Schimmer Ahnung hatte, verwunderte die Entscheidung für die Befestigung der Staatsgrenze zu Westberlin. Es war nicht nur eine ökonomisch stabilisierende Entscheidung, sondern eine friedenssichernde Maßnahme. Es war nicht nur die verhasste, sondern unter der realen Bedrängnis die einzig mögliche Lösung. Mehr blieb nicht, dafür hatte der Bruch des Potsdamer Abkommens im Westen gesorgt. Die Lösung »Mauer« war, wie Kennedy sagte, »keine sehr schöne Lösung, aber … verdammt noch mal besser als ein Krieg«. Auch Briten und Franzosen waren weit weniger entsetzt über den 13. August 1961, als es die westdeutschen Scharfmacher gerne gehabt hätten. Einer von ihnen, F. J. Strauß, frohlockte zuversichtlich: »Wenn die USA vier zusätzliche Divisionen zur Verfügung stellen, Großbritannien mobilisiert und Frankreich zusätzliche Divisionen heranführt, dann können wir eine größere militärische Aktion durchführen …« Dazu kam es nicht, denn wenn die Westmächte was gegen die Sowjetunion hatten – gegen den 3. Weltkrieg hatten sie mehr. Adenauer & Co. heulten noch lange das Klagelied von der ausgebliebenen militärischen Hilfe des Westens gegen die »Mauer« … Die Leute im Osten kostete diese Grenze ein großes Stück Bewegungsfreiheit in Richtung Westen, die Bundeswehr ein noch größeres Stück Bewegungsfreiheit in Richtung Osten; kostete die DDR Millionen, die sie nicht hatte, und einen Sympathieverlust, den sie selbst nicht ausgleichen konnte. Doch damit blieb die DDR weitere 29 Jahre, in denen das Potsdamer Abkommen wenigstens zwischen Elbe und Oder umgesetzt wurde. 29 Jahre, in denen 4 Meter Stahlbeton und eine NVA Krieg von deutschem Boden aus unmöglich machten.

»Antifaschistischer/Antimilitaristischer Schutzwall« – wer hat sich nicht alles über die Propaganda der DDR lustig gemacht! Manchmal werden die Beweggründe einer Entscheidung erst nach ihrer Revision sichtbar. Nach über 200 Mordopfern deutscher Faschisten (auch derer im Verfassungsschutz) seit dem Anschluss der DDR, nach der Durchführung des ersten deutschen Angriffskrieges nach 54 Jahren Waffenruhe mit Bomben auf Belgrad 1999 und einem Kriegseinsatz der Bundeswehr nach dem anderen ist uns das Lachen im Halse stecken geblieben. Mit jedem weiteren Schritt der Vorbereitung neuer, größerer Kriege der BRD um Rohstoffe und Absatzmärkte, mit jedem weiteren Bodengewinn des deutschen Militarismus in Schulen und Universitäten, mit jedem Aufhetzen gegen jene, die sozial an den Rand gedrängt werden, mit jedem weiteren Mordopfer deutscher Rassisten und Antisemiten wird klar, dass diese Grenze aufgehoben wurde, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen. Die Welt verändert sich, kein Stein bleibt auf dem anderen. Rückschritt gegen Fortschritt, Geschichte wird gemacht jeden Tag. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist der Kampf dagegen, sie Weltkrieg um Weltkrieg wiederholen zu müssen. Um den nebligen Weihrauch namens »Freiheit«, mit dem man nicht nur in diesen Tagen die Tränen in die Augen treiben möchte, ist es nicht schade. Kühl der Kopf und klar die Augen, schauen wir uns endlich um!

Wer möglichst viele Möglichkeiten hat, dessen Freiheit ist es. Hat der Arbeiter möglichst viele Möglichkeiten, ist es die Freiheit des Arbeiters. Hat das Kapital möglichst viele Möglichkeiten, ist es die Freiheit des Kapitalisten. Schau um dich, wer möglichst viele Möglichkeiten hat, und du weißt, wessen Freiheit das ist.

Berlin, 3. Oktober 2015, zum 25. Jahrestag der Annexion der Deutschen Demokratischen Republik

 

Unentdecktes Land e.V. · info@unentdecktes-land.org · www.unentdecktes-land.org

 

Aus der Chronik des deutschen Militarismus seit 1989

Informationsbeilage zur Aktion am 3. Oktober 2015

www.unentdecktes-land.org · info@unentdecktes-land.org

28.9.1989 „Ausgangspunkt für künftige Friedensverhandlungen muss das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 sein.“ Eduard Lintner (CSU), 28.9.1989

9.11.1989 Erfolgreiche westdeutsche Destabilisierung der DDR mit dem Fall ihrer Grenze. „Diese Leute spielen mit dem Weltkrieg, und sie merken es nicht.“ François Mitterrand (PSF), französischer Präsident, 10.11.1989

19.12.1989 Der westdeutsche Kanzler Kohl (CDU) besucht Dresden und wird von einer Massenkundgebung mit BRD-Fahnen begrüßt. Die Fahnen waren zuvor aus einem Lieferwagen an die Wartenden verteilt worden.

20.12.1989 Mitterrand besucht Berlin und erklärt die Solidarität Frankreichs gegenüber der DDR. Kohl fordert Mitterrand auf, mit ihm gemeinsam durch das geöffnete Brandenburger Tor zu schreiten. Mitterrand lehnt ab. „Kohl hat mir vorab nichts über seinen 10-Punkte-Plan gesagt; er weigert sich die Oder-Neiße-Grenze anzuerkennen. Und jetzt will er, dass ich seine Einnahme der DDR legitimiere? Das ist ein starkes Stück. Er kann doch nicht hoffen, dass ich in diese Falle gehe. Die französische Presse, die schreibt, ich begriffe nichts. [...] Die Journalisten sind immer bereit, sich den Siegern zu Füßen zu werfen, so wie 1940.“ François Mitterrand

17.1.1990 Die westdeutsche Regierung lehnt einen Entwurf der DDR-Regierung für einen „Vertrag über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft“ ab.

10.2.1990 Gegen hohe Finanzhilfen gesteht die sowjetische Regierung der BRD zu, die Annexion der DDR ohne Bedingungen durchführen zu können.

30.3.1990 Kohl fordert auf einem westdeutsch-britischen Gipfeltreffen, Polen solle sich für das „nach 1945 an Deutschen begangene Unrecht“ entschuldigen.

16.8.1990 7 westdeutsche Kriegsschiffe mit 500 Soldaten gehen wegen der „Golf-Krise“ im östlichen Mittelmeer „vorläufig“ in Stellung.

30.8.1990 Einrichtung des „Bundeswehrkommandos Ost“ in Strausberg, auf dem Gebiet der DDR unter Bruch des „Grundlagenvertrags“ von 1972.

3.10.1990 Annexion der DDR. Verteidigungsminister Stoltenberg (CDU) schlägt der NATO die Stationierung eines deutschen Bombergeschwaders in der Türkei vor.

17.10.1991 „Die Volksrepublik Polen besitzt über die Gebiete östlich von Oder und Neiße keine territoriale Souveränität, sondern lediglich Gebietshoheit.“ Hartmut Koschyk (CDU), BDV-Generalsekretär

1.1991 „Ich glaube, das gehört Ihnen.“ Mosheh Arens (Halikud), israelischer Verteidigungsminister, bei der Übergabe des Teils einer in Israel eingeschlagenen irakischen Rakete an Außenminister Hans Genscher (FDP)

17.1.1991 Ein „Nachbarschafts- und Zusammenarbeitsvertrag“ Deutschlands mit Polen wird abgeschlossen. Deutschland wird 70% der Verpflichtungen nicht erfüllen, die aus diesem Abkommen resultieren.

7.1991 34 deutsche Soldaten werden im jugoslawischen Zagreb stationiert, um im Rahmen der UN-Hilfsflüge nach Sarajevo zu fliegen.

8.1991 Stationierung deutscher Luftwaffe in Bahrain.

11.1991 Auf deutschen Druck hin beschließen Außenminister der EC-Staaten Sanktionen gegen Jugoslawien.

23.12.1991 Zerschlagung Jugoslawiens durch deutsche Anerkennung der Republiken Slovenija und Hrvatska als unabhängige Gebilde im Alleingang, 23 Tage vor dem den anderen EC-Staaten angegebenen Termin. Die separatistische „Republik Hrvatska“ wird mit deutschen Waffenlieferungen unterstützt.

26.6.1992 „Für jeden Staat müsste es eine Ehre sein, Waffen an Kroatien geliefert zu haben.“ FAZ

22.5.1992 142 deutsche Soldaten und 75 Grenzschutzbeamte werden nach Kambodscha gesandt. In Phnom Penh wird ein Feldlazarett eingerichtet.

1.6.1992 „Die Deutschen sind auf militärische Aktionen nicht vorbereitet und müssen erst allmählich daran gewöhnt werden.“ Volker Rühe (CDU), Kriegsminister

22.6.1992 „Nicht zuletzt auf unser Betreiben konnten die UN-Sanktionen gegen Serbien und Montenegro beschlossen werden.“ Klaus Kinkel (FDP), Außenminister

18.7.1992 Die Deutsche Marine isoliert Jugoslawien im Adriatischen Meer im Unternehmen „Scharfe Wacht“. Der BND nutzt die deutsche Abschirmung zur Lieferung weiterer Waffen an die separatistischen Republiken „Hrvatska“ und „Bosna-Hercegovina“.

8.1992 Einrichtung eines deutschen Luftwaffenstützpunktes im kenyanischen Mombasa.

1.1.1993 Teilung der Tschechoslowakei. Die HSS der CSU finanzierte die separatistische „Bewegung für eine demokratische Slowakei“ (HZDS) unter V. Mečiar.

13.1.1993 Beschluss einer Grundgesetzänderung, die weltweite Einsätze der Bundeswehr möglich macht.

16.5.1993 Deutsche Intervention in Somalia.

30.5.1993 Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erklärt auf dem „Sudetendeutschen Tag“, dass die „Sudetendeutsche Frage“ offen sei.

5.11.1993 Das deutsch-französische „Eurokorps“ wird im französischen Strasbourg in Dienst gestellt.

22.3.1994 Die deutsche Bundeswehr beteiligt sich an einer UN-Mission in Georgien zur Beibehaltung des Status Quo der separatistischen „Republik Abchasija“.

30.8.1995 Das „Deutsch-niederländische Korps“ wird in Münster in Dienst gestellt. Die Niederlande bringen ihre gesamte Armeestruktur ein, eine eigenständige niederländische Armee existiert nicht mehr. „Die Niederländer führen ihre Heereskräfte von Deutschland aus.“ Volker Rühe, 5.2.1996

9.1995 Eine deutsche Waffenlieferung an Afghanistan wird aufgedeckt: u.a. Panzerfäuste, 146 Zubehörteile sowie Nachrichtengeräte im Wert von 34,5 Mio. Mark.

11.2.1996 Beginn der deutschen Unterstützung für die „Befreiungsarmee des Kosovo“ (UÇK) in der jugoslawischen autonomen Provinz Kosovo-Metohija, der separatistischen „Republik Makedonija“ und Albanien. Die UÇK wird von BW-Spezialkräften in Albanien ausgebildet, ein deutscher Militärberater in Tiranë ist mit Fragen der UÇK-Bewaffnung befasst.

20.6.1996 Eine Resolution des Bundestags fordert die „ethnische Selbstbestimmung“ der chinesischen autonomen Region Xizang.

10.1997 Dschungelkampfausbildung der „Deutsch-französischen Brigade“ in Gabun.

10.1998 Das deutsche „Aufsichtsamt für das Kreditwesen“ leitet 180 Verfahren gegen Unternehmen ein, die Mio.Mark für Waffenkäufe zur UÇK transferiert hatten. 1.1999 Im Haushalt des deutschen Innenministeriums für 1999 stehen 115 Millionen Mark für die „Unterstützung deutscher Minderheiten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa einschließlich nicht-europäischer Nachfolgestaaten der Sowjetunion“ bereit.

24.3.1999 Deutscher Angriff auf Jugoslawien, „Kosovo-Krieg“. „Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung [...] mit militärischen Mitteln durchzusetzen.“ Gerhard Schröder (SPD), deutscher Kanzler (ARD, 24.3.1999)

9.6.1999 Jugoslawien kapituliert. Ende des „Kosovo-Kriegs“ mit 6.500 Toten.

13.6.1999 Deutsche Annexion des jugoslawischen Gebiets um Prizren als Protektorat. Im Zug der deutschen Besatzung werden von der UÇK etwa 10.000 Serben, Roma und Juden aus der Zone Prizren vertrieben.

30.8.1999 Die Deutsche Mark wird offizielles Zahlungsmittel in der besetzten jugoslawischen autonomen Provinz Kosovo-Metohija.

18.9.1999 Das „Multinationale Korps Nordost“ aus dänischen, deutschen und polnischen Truppen wird im polnischen Szczecin stationiert.

10.1999 Einsatz der deutschen Bundeswehr in der Provinz Timor-Leste und in Australien.

3.2000 Beginn eines Auslandseinsatzes der deutschen Bundeswehr in Moçambique.

7.2001 Bildung des „Einsatzführungskommandos“ als Generalstab der deutschen Bundeswehr, der 1945 im „Potsdamer Abkommen“ verboten worden war.

11.2001 „Deutschland habe auf eine amerikanische Bitte geantwortet, sagt Herr Schröder, aber Washington hat Deutschland nie zu einer Beteiligung entweder an Luftangriffen oder der Stationierung von Bodentruppen aufgefordert. Tatsächlich hat Deutschland, wie Italien, Washington dazu gedrängt, auf die Angebote militärischer Hilfe einzugehen, die unmittelbar nach dem 11. September gemacht wurden.“ International Herald Tribune

15.2.2002 Deutsche Truppenentsendung nach Usbekistan zur Einrichtung eines Luftstützpunkts in Termez.

19.3.2002 Deutschland übernimmt die „taktische Führung“ der „Multinationalen Brigade“ in der Hauptstadt Qabol und damit de facto das Kommando über die europäisch-amerikanischen Truppen in Afghanistan.

27.3.2002 Das neue satellitengestützte Navigationssystem „Galileo“ wird von der EU beschlossen, das Deutschland vom amerikanischen „Globalen Positionierungssystem“ (GPS) unabhängig machen soll.

8.4.2002 Im Auswärtigen Amt gibt es erste Planungen zu einer deutschen Intervention in Israel.

4.5.2002 Deutschland übernimmt Führung der europäischen Kriegsmarineverbände am Horn von Afrika.

8.2002 Beginn einer Kampagne deutschsprachiger Belgier für mehr „Autonomie“.

6.2003 Deutsche Truppen werden im Unternehmen „Artemis“ nach Uganda verlegt.

19.9.2003 Die Deutsche Marine beginnt das Unternehmen „Straße von Gibraltar“. Damit kontrolliert die Deutsche Marine mit Gibraltar und dem Horn von Afrika beide Zugänge zum Mittelmeer.

28.1.2004 Die deutsche Regierung beschließt die Entsendung von Truppen nach Äthiopien. Die ersten deutschen Militärbeobachter treffen am 22.2.2004 ein.

15.11.2004 Ein BW-„Ausbildungskommando“ wird in die „Vereinigten arabischen Emirate“ (IAM) gesandt.

2005 Beginn Werbekampagne „Du bist Deutschland“

28.4.2005 In Togo macht sich die Wut über fortgesetzte deutsche Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Staats in einem spontanen Angriff auf das „Goethe-Institut“ in der Hauptstadt Lomé Luft.

26.1.2006 Der ehemalige westdeutsche Verteidigungsminister Scholz (CDU) fordert eine Bewaffnung Deutschlands mit Atombomben.

21.3.2006 Die deutsche Regierung erklärt, das Kommando über die europäischen Interventionstruppen im Kongo übernehmen zu wollen.

4.9.2009 Oberst Georg Klein ordnet die Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklaster nahe dem afghanischen Kunduz an. Bei dem Luftangriff sterben bis zu 142 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten. Auch dieses deutsche Kriegsverbrechen bleibt ohne Folgen für die Täter. Oberst Klein, selbst von der NATO mit massiven Vorwürfen konfrontiert, wird zum Hohn der Opfer zum Brigadegeneral befördert.

26.11.2009 „... Unter den einfachen Mannschaften [der Bundeswehr sind] die Ostmänner mit 62 Prozent weit in der Mehrheit. ... Tatsächlich kommen viele der in Afghanistan Gefallenen, 13 von 35, aus den neuen Ländern.“ („Arbeitslos oder Afghanistan – Kanonenfutter aus dem Anschlussgebiet“, Die Zeit)

1.3.2011 Die zeitweilige Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bildet den derzeitigen Höhepunkt im Umbau der Bundeswehr zur Hightech-Interventionsarmee.

15.6.2012 Aufstellung der ersten Kompanie der „Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte“ (RSU) zur Einbeziehung von Reservisten in Bundeswehreinsätze im Innern inkl. „Aufstandsbekämpfung“. Bis 2013 werden in allen Bundesländern solche faktischen Heimatschutzkommandos aufgestellt, allein in Bayern 7.

2/2014 Die BRD erkennt die ukrainische Putschistenregierung an, an der Faschisten beteiligt sind. Damit steht die BRD wie zuvor in Jugoslawien an vorderster Front bei der Unterstützung faschistischer Kräfte zur Destabilisierung der Nachbarstaaten Russlands.

 

8. Mai 2015 · Berlin Neue Wache

 

Aufruf zum 70. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus am 8. Mai 1945

Kundgebung am 8. Mai 2015 · 8-22 Uhr · Neue Wache, Unter den Linden 4 · Berlin

 

Dank Euch, Soldaten der Anti-Hitler-Koalition

Vor 70 Jahren endete der zweite Versuch, »Made in Germany« die Welt zu erobern, vor den Gewehrläufen der Roten Armee. Die Anti-Hitler-Koalition beendete den von deutschen Konzernen wie Thyssen, Krupp, Siemens, Daimler, Deutsche Bank installierten und von der Bevölkerung in so schrecklicher Breite getragenen deutschen Faschismus.

Die Anti-Hitler-Koalition beendete das bis heute schrecklichste Verbrechen an der Menschheit: den von Deutschland industriell durchgeführten Massenmord an den Juden und den zu Juden erklärten. Wer den deutschen Faschisten in Feindschaft gegenüberstand, wen sie zum Feind der »deutschen Volksgemeinschaft« erklärten, wurde geächtet, vertrieben, gequält, vernichtet auf tausend Arten.

Die Anti-Hitler-Koalition, allen voran und unter den größten Opfern: die Sowjetunion, machte damit Schluss und trat zu Boden, was zu Boden gehört: Nazideutschland, das 55 Millionen Ermordete und einen Kontinent in Trümmern hinterließ. Der deutsche Militarismus lag in den Staub gestampft, durch das größte Teamwork der Menschheitsgeschichte. Seither gedenkt man weltweit der Opfer des deutschen Faschismus und feiert diesen Tag als Sieg des Lebens über die Barbarei.

Sbasibo – Thanks – Merci!

Nieder mit der Bundeswehr und ihren Auftraggebern

Die BRD jedoch hat am 8. Mai nichts zu bedenken, niemandes zu gedenken, erst recht niemandem zu danken. Denn Deutschland muss eine neue Geschichte schreiben. Daran gearbeitet wird seit 70 Jahren. Auschwitz soll nicht länger ewiges Mahnmal für die Taten des faschistischen Deutschland sein, sondern Rechtfertigung für neue Waffengänge der Bundeswehr für deutsche Interessen weltweit.

Das Einreißen der Nachkriegsgrenzen ermöglichte der BRD einen Vernichtungsfeldzug gegen die Deutsche Demokratische Republik und ihr antifaschistisches Gedenken. Was seitdem an Relativierung der deutschen Geschichte »geleistet« wird, spiegelt sich deutlich in der Zerstörung der von der DDR in der Neuen Wache geschaffenen »Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus und Militarismus« und Installation einer »Zentralen Gedenkstätte der BRD für die Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft«.

Das Einreißen der Nachkriegsgrenzen, die einen erneuten deutschen Überfall unmöglich machen sollten, ließ den Handlungsspielraum des deutschen Militarismus wieder explodieren. Eine von Nazi-Generälen aufgebaute und heute von ihren Zöglingen geführte Bundeswehr führt wieder Krieg. Ihr Auftrag, ihre Auftraggeber sind dieselben: die Siemens, Daimler, Deutsche Bank. Ging es 1939 beim Überfall auf die Welt um den Weizen der Ukraine, das Öl des Kaukasus – um alles, was für Profit auszubeuten war, so geht es heute um nichts Anderes. Heute nennt man es die »Aufrechterhaltung des freien Welthandels« und den »Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt«.

Wer an die Befreier erinnert, der Opfer gedenkt und die Täter beim Namen nennt, fällt den deutschen Kriegsplänen in den Arm. Erinnern heißt kämpfen, um zu erfüllen, was uns aufgetragen wurde von den so wenigen Überlebenden: Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus! Die Geschichte der Bundeswehr zeigt, dass beides nicht zu trennen ist.

Dank Euch, Soldaten der Anti-Hitler-Koalition!

Nieder mit der Bundeswehr und ihren Auftraggebern!

»Unentdecktes Land« e.V.

Karl-Kunger-Str. 2, 12435 Berlin

www.unentdecktes-land.org

info@unentdecktes-land.org

 

 

Call for the commemoration of the 70th anniversary of liberation from German
fascism on May 8th, 1945. Rally · May 8th, 2015 · 08:00-22:00 · Neue Wache, Unter den Linden 4 · Berlin

 


Thank you, soldiers of the Anti-Hitler Coalition
70 years ago, the second attempt to conquer the world »made in Germany«-style ended just in front the Red Army‘s gun barrels.  The Anti-Hitler Coalition stopped German fascism, which had been installed by German enterprises such as Thyssen, Siemens, Daimler, Krupp, Deutsche Bank, and the like, and which was so terribly wide-spreadedly supported by the German population. 
The Anti-Hitler Coalition ended the most horrible crime against humanity so far:  the industrially conducted mass murder of the European jews by Germany and those that were declared as jews.  Whoever was a foe of the German fascists, whomever they declared to be an enemy of the German »Volksgemeinschaft« (ethnically unfit to be part of the German population), was ostracized, exiled, tortured, exterminated – in a thousand different ways.
The Anti-Hitler Coalition stopped this, above all the members, the Soviet Union, with the greatest sacrifices, and turned into nothing what belongs to be there:  Nazi Germany, that left behind 55 million murdered and a continent in rubbles.
German militarism was destroyed by the biggest team effort of human history.  Since then, people all over the world commemorate the victims of German fascism and celebrate this date as a victory of life over barbarism.
Sbasibo – thanks – merci!

 

 

Down with the German military and its sponsors
Yet, the Federal Republic of Germany (FRG) doesn‘t have to consider anything, commemorate anybody, and certainly not thank anybody – since Germany has to rewrite history, a project she has been working on for the last 70 years.  Auschwitz is not any longer supposed to be an eternal memorial for Germany‘s past crimes, but serve as a justification for the German military‘s armed operations in the name of German interests around the globe. 
Tearing down the postwar borders enabled the FRG to annihilate the German Democratic Republic (GDR) and her anti-fascist manner of commemoration.   The relativization of German history since then is apparent in the remodelling of the Memorial of the Victims of Fascism and Militarism, installed by the GDR, into a Memorial of the Victims of War and Tyrrany.
Tearing down the postwar borders, which had been installed to render another attack by Germany impossible, enabled German militarism‘s range of activity to increase significantly again.  The German military, established by Nazi generals and continued by their brethren, is waging war again.  Her mission, her sponsors are the same:  Siemens, Daimler, Deutsche Bank.  In 1939 it was the Ukrainian wheat, the Caucasian oil, the world was attacked for, and it is nothing less today – anything that may be exploited for a profit.  Today they call it »maintaining free world trade« and »access to markets and resources around the globe«.
Those who remember the liberators, commemorate the victims, and name the perpetrators help prevent German war plans.  To remember means to fight in order to live up to what the few survivors told us to:  War – never again!  Fascism – never again! The German military‘s history shows us that both are inseparable.

Thank you, soldiers of the Anti-Hitler Coalition!
Down with the German military and its sponsors!

 

 

Воззвание по случаю празднования 70-летнего юбилея
освобождения от немецкого фашизма 8 мая 1945 года
Митинг 8 мая 2015 · 8-22 ч · Нойе Вахе, Унтер ден Линден 4 · Берлин

 

Спасибо Вам, Солдаты
антигитлеровской коалиции

70 лет назад благодаря оружию Красной Армии закончилась вто-рая попытка – »made in Germany« – покорить мир. Анти-гитлеровская коалиция заве-ршила  учиненную  такими немецкими концернами как Thyssen, Krupp, Siemens, Daimler, Deutsche  Bank и распространенную вширь народом фашистскую страницу немецкой истории.
Анти-гитлеровская коалиция прервала и поныне самое страшное преступление против человечества: учиненное Германией в «промышленных» масштабах массовое убийство евреев и людей, объявленных евреями. Те, кто был противником немецких фашистов, те, кого объявили врагом »немецкого народа«, были объявлены вне закона, изгнаны, замучены, уничтожены тысячами способов.
Анти-гитлеровская коалиция - и в первую очередь с самыми большими принесенными жертвами Советский Союз – покончила с этим и повергла в прах то, что подлежало уничтожению: нацистскую  Германию, оставившую после себя 55 миллионов уничтоженных людей и континент, лежащий в руинах. Германский милитаризм был превращен в пыль благодаря невероятным усилиям человечества. С  тех пор мир отдает дань памяти жертвам немецког офашизма и празднует этот день как День победы жизни над жестокостью.
СПАСИБО! – Thanks! – Merci!


НЕТ Бундесверу и его заказчикам
ФРГ, однако, не о чем размышлять, некого чтить, некого благодарить. Германии нужно написать новую историю. Работа над этим началась 70 лет назад. Освенцим должен оставаться не вечной памятью страшных деяний фашистской Германии, но стать оправданием новый военных походов Бундесвера в немецких интересах.
Разрыв послевоенных границ сделал возможным для Западной Германии поход против Германской Демократической Республики и ее антифашистского мировоззрения. Что с тех пор »сотворено« с немецкой историей, отчетливо видно в разрушении созданного ГДР в Нойе Вахе »Мемориального памятника Жертвам фашизма и милитаризма« и устроении »Центрального памятника ФРГ жертвам войны и насилия«.
Разрыв послевоенных границ, которые должны были защитить мир от нового немецкого нападения, дал поле для нового взрыва немецкого милитаризма. Созданная  нацистскими генералами и продолженная сегодня их воспитанниками Бундесвер снова ведет войну. Их заказ и их заказчики остались теми же: Siemens, Daimler, Deutsche Bank. Если в 1939 при нападении на мир дело шло вокруг хлеба Украины, нефти Кавказа – вокруг того, что несет прибыль, – то сегодня цели не изменились. Но сегодня это называется »сохранением свободной торговли« и »доступ к рынкам и сырью во всем мире«.
Тот, кто вспоминает освободителей, кто помнит о жертвах и кто называет имена действующих лиц, тот сможет помешать немецким военным планам. Вспоминать значит бороться, чтобы осуществить то, что поручено нам теми немногими оставшимися в живых: Никогда не должна повториться война – никогда не должен повториться фашизм! История Бундесвера показывает, что это неразделимо.


СПАСИБО ВАМ, СОЛДАТЫ АНТИ-ГИТЛЕРОВСКОЙ КОАЛИЦИИ
НЕТ БУНДЕСВЕРУ И ЕГО ЗАКАЗЧИКАМ

 

Appel à l‘occasion du 70 anniversaire de la libération du fascisme allemand
le 8 Mai 1945. Manifestation du 8 Mai 2015 · 8 à 22 h · Nouvelle Garde, Unter den Linden 4 · Berlin


Merci aux soldats de la coalition d‘anti-Hitler
Voilà 70 ans que le second essai »Made in Germany« de conquérir le monde terminait avant les canons de l’Armée rouge et des autres armées de la coalition d‘anti-Hitler cessant le fascisme allemand qui avait installée par les entreprises monopolistes allemandes comme Thyssen, Krupp, Siemens, Daimler, Deutsche Bank, mais avait supporté par une horriblement grande masse de la population allemande.
La coalition d‘anti-Hitler a démantelé le plus terriblement crime contre la humanité jusqu‘aujourd‘hui : le génocide aux juifs et aux hommes déclarés comme »juifs« ; un meurtre collectif mis à exécution d‘une manière industrielle. Tous ceux qui s‘étaient témoignés hostile contre les fascistes allemands, tous ceux qui étaient déclaré comme ennemis de la »Volksgemeinschaft«, avaient été mis au ban de la société, expulsés, torturés, annihilés en mille façons.
La coalition d‘anti-Hitler, éminemment et sous la plus grande nombre de victimes l‘Union soviétique, a mis fin à cette barbarie et a laissé sur le carreau ce que doit été laissé à carreau: Allemagne nazi, qui a laissé 55 millions assassinés et un continent en décombres. Le militarisme allemand a été abattue dans la poussière par la plus grande travail d’équipe dans la histoire de l’humanité. Depuis, on commémore les victimes du fascisme allemande planétaire, et on célèbre ce jour alors que la triomphe de la vie sur la barbarie.
Спасибо – thanks – merci!

 

À bas l‘armée de la République fédérale d‘Allemagne et ses commettants
Cependant, la RFA n’a rien de préméditer, personne de commémorer, à fortiori personne de remercier. C’est que l’Allemagne doit écrire une histoire nouvelle nettoyée. C’est l‘enjeu des élites de l‘Allemagne de l‘ouest depuis 70 ans. Auschwitz n’aura plus le droit être mémorial éternel pour les actes de l’Allemagne fasciste, mais au lieu de cela il doit être justification pour des passes d’armes dans le monde.
L‘effondrement de les frontières après-guerre, a permis un campagne d‘anéantissement de la RFA contre la  République démocratique allemande (RDA) et sa mémoire anti-fasciste. Ce qu‘on a »fourni« pour la relativisation de la histoire allemand, cela se reflète dans la destruction de le »lieu commémoratif et exhortatif pour les victimes du fascisme et militarisme« crée par la RDA dans la Nouvelle garde et dans l‘installation d’un »lieu commémoratif central pour les victimes de la guerre et de la tyrannie«.
L‘effondrement de les frontières après-guerre qui avaient la fonction d‘empêcher la récurrence d’un envahissement allemand a fait exploser la marge de manœvre du militarisme allemand. Une armée de la République fédérale d‘Allemagne, reconstruit par les générales nazis et conduit de leurs élèves guerriers jusqu‘aujourd‘hui. Sa commande, ses commettants sont les mêmes: les Siemens, Daimler, Deutsche Bank. Quand leur enjeu était, en 1939/41, du blé de la Ukraine, du pétrole du Caucase – et de tout ce que pourrait être exploité pour le profit –, leur enjeu n‘est qu‘exactement cela aujourd’hui. Actuellement, on appelle cela la »maintien du commerce mondial« et l‘ »accès des marches et matériaux premières dans le monde entier«.
Chaque personne qui évoque les libérateurs, qui commémore les victimes et accuse nommément les coupables, contrecarre les plans allemands de guerre. Se rappeler, cela implique de militer pour réaliser ce qu’est ordonné à nous par les persécutés et résistants rescapés: Le fascisme, plus jamais ! La guerre, plus jamais ! L‘histoire de l’armée de la République fédérale d‘Allemagne prouve que ces deux enjeux ne peuvent jamais disjoints.

Merci aux soldats de la coalition D‘anti-Hitler
À bas l‘armée de la république fédérale d‘Allemagne et ses commettants

 

Fakten zur Remilitarisierung Westdeutschlands bis 1956

Informationsbeilage zur Aktion am 8. Mai 2015 · »Unentdecktes Land« e.V. Karl-Kunger-Str. 2, 12435 Berlin · www.unentdecktes-land.org · info@unentdecktes-land.org

1946 Konrad Adenauer (CDU) fordert erstmals eine »Europäische Armee« mit deutscher Beteiligung

Juni 1948 General Hans Speidel fordert in einer Denkschrift die »Gleichbehandlung« einer künftigen deutschen Armee hinsichtlich Waffenbesitz und -produktion.

Juli 1948 Adenauer übergibt der amerikanischen Regierung eine Denkschrift, in der die Schaffung einer neuen Wehrmacht mit 25 Divisionen gefordert wird.

30. Nov. 1949 Adenauer erklärt Bereitschaft zur Stellung eines westdeutschen Kontingents für eine »Europäische Armee«.

»Wir Deutschen sollten nicht über Wiederbewaffnung reden, wir sollten handeln, stillschweigend, aber schnell.«  Franz Blücher (FDP), westdeutscher Marshall-Plan-Minister, 7. Aug. 1950 (Gießener Freie Presse, 07.08.1950)

29. Aug. 1950 Adenauer übergibt dem amerikanischen Hochkommissar John McCloy ein Geheimpapier, in dem ein westdeutsches Kontingent für eine »Westeuropäische Armee« gefordert wird.

»Deutschland ist erneut ein Faktor geworden, mit dem andere in internationalen Angelegenheiten rechnen müssen.« Konrad Adenauer (CDU), westdeutscher Kanzler, 20. Mai 1950 (Rheinischer Merkur, 20.05.1950)

21. Sep. 1950 Der Aufstellungsplan für eine künftige westdeutsche Wehrmacht wird bekanntgegeben: zwölf Armeedivisionen bis 1. Jan. 1959, Luftwaffe und Kriegsmarine bis 1. Jan. 1960.

3. Okt. 1950 Tagung von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren – u.a. Heusinger, Speidel und Foertsch – über eine Remilitarisierung der BRD in Himmerod.

26. Okt. 1950 Das »Amt Blank« zur Vorbereitung der Remilitarisierung der BRD wird eingerichtet. Theodor Blank (CDU) beruft die ehemaligen Generäle Heusinger und Speidel als Berater.

5. Apr. 1951 »Ehrenerklärung« Adenauers für die deutsche Wehrmacht vor dem Bundestag.

»Eine reine Verteidigung ist lächerlich. Die Verteidigung Europas kann nur mit einem Offensivkrieg durchgeführt werden.« Hasso von Manteuffel (FDP), 14. Jan. 1951

Mai 1951 Der westdeutsche Bundestag beschließt die Wiedereinstellung von entlassenen nationalsozialistischen Beamten. Bis 30. Sep. 1953 kehren 163,577 von ihnen in ihre Jobs zurück.

8. Feb. 1952 Der Bundestag beschließt den westdeutschen »Verteidigungsbeitrag«.

»Die Wiederaufrüstung Westdeutschlands [soll] die Vorbereitung einer Neuordnung in Osteuropa sein.« Konrad Adenauer (CDU), westdeutscher Kanzler und Außenminister, 16. Mär. 1952 (Stuttgarter Zeitung, 22.03.1953)

1953 Die ersten offiziellen Rüstungsexporte der BRD gehen nach dem faschistischen Franco-Spanien. Bis 1960 wird die BRD 8.größter Waffenexporteur der Welt.

18. März 1954 Der Plan zur Remilitarisierung der BRD wird vom »Amt Blank« vorgelegt.

7. Juni 1955 Das »Amt Blank« geht in das westdeutsche Verteidigungsministerium über.

25. Juli 1956 Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in der BRD.

»Wir wollen dem deutschen Volk den alten Geist zurückbringen – den Geist der Japaner, der Preußen. Alles Gerede von einer demokratischen Armee ist Unsinn. Wir brauchen das preußische System, das harte und zähe Soldaten hervorbrachte.« Lothar Steuer (FDP), 30. Aug. 1954

12. Nov. 1956 Remilitarisierung der BRD mit der Gründung der Bundeswehr. 31 von 38 Generälen waren Mitglieder des Generalstabs der Wehrmacht.

 

Kurzbiographien der ranghöchsten Bundeswehr-Gründungsoffiziere

Informationsbeilage zur Aktion am 8. Mai 2015 · »Unentdecktes Land« e.V. Karl-Kunger-Str. 2, 12435 Berlin · www.unentdecktes-land.org · info@unentdecktes-land.org

Adolf Heusinger (1897-1982): Seit 1915 Berufssoldat. Seit 1937 im Generalstab der Wehrmacht. Ostfeldzugplaner. Partisanenbekämpfer-Stratege. Volkssturm-Erfinder. Ab 1948 Organisation Gehlen. Ab 1950 Berater Adenauers. 1956 1. Generalinspekteur der Bundeswehr. Gründer des Soldatenhilfswerks.

Friedrich Foertsch (1900-1976): 1918-1933 Reichswehr. 1943 Generalstabschef Ostfront. Belagert Leningrad, wo er u.a. die Bombardierung ziviler Objekte befiehlt. In der SU verurteilt zu 25 Jahren. 1956 Generalmajor der Bundeswehr, 1961 2. Generalinspekteur der Bundeswehr.

Hans Speidel (1897-1984): Im 1. Weltkrieg Leutnant. Ab 1930 Militärgeheimdienst. Übergibt 1940 Paris an Hitler. Ab 1948 Berater Adenauers. 1950 Amt Blank. 1957 Oberbefehl der NATO-Landstreitkräfte Mitteleuropa. 1964 1. Präsident der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Friedrich Ruge (1894-1985): Im 1. Weltkrieg Bootskommandant. Nach 1933 Spionageabwehr. Als Chef der Minensuchboote Teilnahme an Invasionen in Polen, Frankreich, Italien. 1943 Vizeadmiral. 1944 Marine-Konstruktionschef. Nach 1945 »Theoretiker«. 1955 Amt Blank. 1.Inspekteur u. Chef des Führungsstabes der Bundesmarine. Präsident der Gesellschaft für Wehrkunde.

Josef Kammhuber (1896-1986): Seit 1914 Berufsoffizier. 1933-39 Reichsluftfahrtministerium, koordiniert Bau von Bomberstaffeln. Führt 1940 Luftangriff auf Freiburg aus, der Vorwand für totalen Luftkrieg auf Luxemburg, Belgien, Holland und Frankreich liefert. 1941-43 Generalstab Luftwaffe. 1956-62 1.Inspekteur der Luftwaffe.

 

 

Zerstörung durch Umdeutung

Die Geschichte der »Neuen Wache« unter den Linden, die deutsche Tradition
und warum die DDR anders war

Jene schreckliche deutsche Kontinuität, das ist das Deutschland, das mit zwei Kriegen der Welt neu definierte, was der Mensch dem Menschen anzutun in der Lage ist und das ungeachtet dieser Geschichte wieder rüstet und Krieg führt. Die »Neue Wache« unter den Linden zu Berlin steht für die deutsche Kontinuität und ihren Bruch zugleich.

Flankiert von Statuen, die Generäle der preußischen Angriffsarmee darstellten, sollte die Wache als »Siegesmal für den Krieg gegen Napoleon« fungieren. Dazu passt nur zu gut, dass sie ab 1848 auch als Arrestzelle für Revolutionäre diente. Nach »Preußens Glanz und Gloria«, einen Weltkrieg später, geführt für Siemens, Daimler, Deutsche Bank, wird die Wache »Gefallenendenkmal« für die »Helden« des kaiserlichen Heeres. Es bleibt in der Familie.

Parade vor der Neuen Wache, um 1830
Neue Wache im Kaiserreich

Ab 1921 heißt das Heer Reichswehr. Das Blut Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs an ihren Händen ist noch nicht trocken, da übergibt man 12 Jahre später die Macht an die Nazis. Die Uniformen wechseln, die Auftraggeber bleiben dieselben. Auch von Nazideutschland zur BRD bleibt alles in deutscher Tradition. Auch wenn man sich demokratisch gibt, gleich blieben doch die Siemens, Daimler, Deutsche Bank, die bald wieder nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Ostdeutschland tanzt nicht mehr mit, und auch Osteuropa ist erst mal unerreichbar für deutsches Kapital. Da braucht es die alten »Experten« des letzten Ostlandfeldzuges. So werden die letzten Generäle der faschistischen Wehrmacht die Ersten der Bundeswehr. Wieder nur neue Uniformen …
Faschisten, Kriegsverbrecher, Generäle wie Speidel, Heusinger und Kielmansegg ziehen in den Kasernen das Personal groß, das heute die Bundeswehr für Kapital und »Vaterland« in Gang setzt, für Märkte und Rohstoffe in aller Welt. Die deutschen Täter werden unsichtbar in einer universellen Opfergruppe. Verschweigen und Relativieren der eigenen Verbrechen – das braucht es für ein Geschichtsbild, das erlaubt, ungehindert weitermachen zu können trotz zweier Weltkrieg und einem Holocaust. Es geht nur mit Vernebelung der Geschichte, Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus und der immer damit einhergehenden Relativierung der Shoah.

Aufziehende Wehrmacht an der Neuen Wache
Neue Wache 1945

40 Jahre erzwingt die Staatsgrenze der DDR eine Pause dieser Widerwärtigkeit, wenigstens im Osten. Mit der Annexion der DDR endet diese Pause.

Das Hinklotzen der »zentralen Gedenkstätte der BRD für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft« in der »Neuen Wache«, auf den Trümmern der antifaschistischen antimilitaristischen Gedenkstätte der DDR, stellt nur den Endpunkt einer Reihe von Versuchen dar, endlich einen zentralen Schlussstrich unter die deutschen Geschichte zu setzen und die BRD wieder auf Augenhöhe mit den Mächten der Anti-Hitler-Koalition zu heben.
1955, schon knapp 10 nach Kriegsende, fordert die FDP ein »Bundesehrenmal«. Konkretisiert wird diese Sehnsucht nach einer Trauerstätte für »unsere Kriegshelden« 1961 durch Bundespräsident Heinrich Lübke. Bundespräsident ist nur die Krönung der Laufbahn dieses Mannes, der sich auskennt mit Tätern und Opfern. Dass er Hauptmann der  Wehrmachtsreserve und Verantwortlicher für den Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen in der »Heeresversuchanstalt Peenemünde« war, macht ihn zum »Experten«. So kommt es zur ersten »zentralen Gedenkstätte«, noch bescheiden als schnöde Bronzetafel im Bonner Hofgarten, auf der eine der zukünftigen Grundformeln bundesdeutscher Geschichtsklitterung ihren Platz findet: »Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft«. Man läßt nicht unerwähnt, welche Täter und welche Opfer man schon mit der Wahl des Einweihungstermins meint: Der Tag des »Volksaufstands« am 17. Juni in der DDR muss es schon sein.

Die junge BRD wird älter, und man traut sich schon wieder einiges zu und reißt die großdeutsche Fresse auf: Bundestagspräsident Stücklen fordert entsprechend 1982 am Volkstrauertrag, ein Mahnmal »für die Millionen deutscher Soldaten zu errichten, die im Osten oder irgendeiner anderen Himmelsrichtung an unbekannten Orten begraben liegen.« Weiter geht es mit der Initiative deutscher »Kriegsopferverbände«, die nach einer »nationalen Gedenkstätte für die Kriegstoten des deutschen Volks« brüllen. Diese Verhöhnung der Opfer des deutschen Faschismus und Militarismus soll sich auf 40.000 qm erstrecken. Die Suche nach einer Geschichtsendlagergedenkstätte nimmt wieder Fahrt auf, als sich Kohl und Reagan im Mai 1985 auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg die Hand geben – entgegen internationalem Protest über den Gräbern von Wehrmachtssoldaten und SS-Mördern. »Kohl wollte die Rückkehr zu deutschen Kontinuitäten.«

Mit dem Einreißen der Nachkriegsordnung, dem absoluten Bruch des Potsdamer Abkommens, mit der dritten deutschen Bombardierung Jugoslawiens 1999 und dem Umbau der Bundeswehr zur High-Tech-Angriffsarmee wird diese Rückkehr offensichtlich. Hass gegen Russland aus allen medialen Kanonenrohren der BRD, ökonomische und politische Durchdringung von Staaten wie Griechenland und Ukraine, die sich noch gut an die letzte Durchdringung durch Deutschland erinnern, sind logische Folge und schon kein Skandal mehr. Wer will da noch vom Holocaust oder dem deutschen Faschismus hören? Wer will da noch wissen von den Ursachen, von den deutschen Tätern? Krieg ist Krieg, da muss man mit, die anderen sind auch nicht besser, oft genug sogar schlimmer. Ob vergaster Jude oder KZ-Aufseher, alles nur Opfer, niemand hat etwas getan, alle haben nur gelitten unter einer unvermeidlichen »Naturgewalt Krieg« – Amen.

Diese neue Normalität steht nun gegossen in die »Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft«. Wessen Krieg, für wen, gegen wen, Gedenken für welche Opfer, wer sind die Täter? Dass draußen an den Tafeln, an den Rand geschoben, die Vernichtung der Juden durch den deutschen Faschismus überhaupt eine Andeutung fand, kam nur durch Protest zustande, unter anderem von Seiten des Zentralrats der Juden. Die Verbände der Opfer des deutschen Faschismus wurden entsprechend einem Geschichtsbild, das sie nicht ausstehen kann, erst gar nicht befragt nach ihrer Sicht auf die Ausgestaltung der Gedenkstätte. Und was für Jerzy Kanal, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, »absolut inakzeptabel« ist, darauf scheißt dieser Staat, in deutscher Tradition.

 

Der Bruch – da gab es noch ein anderes Deutschland

Jedoch steht die »Neue Wache« nicht nur für diese Kontinuitäten. Über Jahrzehnte war sie Sinnbild einer 180 Grad entgegenstehenden Andersartigkeit eines zweiten Deutschlands, das es nicht mehr gibt: die Deutsche Demokratische Republik. Ein neuer deutscher Staat, der mit seinem Denken und Handeln die schreckliche deutsche Kontinuität radikal beendet, der mit der deutschen Tradition bricht. Ein tiefer roter Riss durchs großdeutsche Familiengemälde. Welch dreiste Zweckentfremdung der »Neuen Wache«: unglaubliche 21 Jahre hat sie gefälligst das »Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Militarismus« zu beherbergen. Es wird der vorerst einzige kurze Lichtblick ihrer langen Geschichte.

Lang stritt man in der DDR darum, was aus der ehemaligen »Weltkriegsheldengedenkstätte« werden sollte. Die FDJ Berlin, die aufs Schärfste alle militaristischen und nazistischen Tendenzen bekämpfte, fordert in einer öffentlichen Erklärung, die »Ruine schnellstens (zu) beseitigen.« Welch befreiendes Feuerwerk unter den Linden wäre dies! Fort mit den Trümmern des deutschen Militarismus – das war das Schicksal der Überreste der Potsdamer Garnisonkirche, des Militärtempels der Hohenzollern, und des Berliner Hohenzollernschlosses. Bei der »Neuen Wache« entscheidet man sich für den Erhalt des Schinkel-Baus. Die Kulturkommision des FDGB widerspricht entschieden dem Vorschlag der FDJ. Nach langer Diskussion teilen im Juli 1956 die Magistratsdienststellen der Öffentlichkeit mit: »In Verfolgung der 10. Volkskammertagung beabsichtigt die Denkmalpflege, die ehemalige ›Neue Wache‹ als Gedächtnisstätte für die Opfer des Faschismus auszugestalten.«

Die Arbeiten beginnen. 1962 ist die Wache von außen vollständig restauriert. 1968 beginnen unter der Leitung des Architekten und Kommunisten Lothar Kwasnitza die Arbeiten am Inneren der Wache. Kwasnitza weiß noch, wie es war im Faschismus, seine Familie ständig bedroht vom Zugriff durch die SS, der Vater verschleppt in Hitlers Zuchthaus. Im Innern der Wache bleibt kein Stein auf dem anderen, es erhält eine vollkommen neue Gestalt. Der stählender Dornenkranz aus Kaisers Zeiten, das große christliche Kreuz, das die Faschisten an der Rückwand der Wache anbrachten, der »Opfermonolith«, der einst das Zentrum der Wache ausmachte – fliegt auf den Müllhaufen.

Das erste Mal ist was neu an der »Neuen Wache«. Ihr wird der Stempel eines Staates aufgedrückt, in dem Antifaschismus Staatsdoktrin ist: unter einer Bronzeplatte im Gedenkraum werden die sterblichen Überreste eines unbekannten antifaschistischen Widerstandskämpfers zur Ruhe gebettet, gemeinsam mit Behältnissen, die blutgetränkte Erde der deutschen Mordstätten und Konzentrationslager enthalten:

Auschwitz, Mauthausen, Natzweiler, Struthof, Theresienstadt, Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück und Dora-Mittelbau.

Der Urne eines unbekannten deutschen Soldaten wird die blutige Erde der größten Schlachtfelder des 2. Weltkrieges beigegeben: Erde aus Moskau, Leningrad, Stalingrad, der Normandie, von Monte Cassino, aus Narvik, aus Warschau, Prag und Berlin.

Hinter den Gräbern wird eine ewige Flamme entzündet, die 21 Jahre ununterbrochen brennt. Sie wird erst mit dem Staat erlöschen, der sie zündete.

1968-1990: Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus in der Neuen Wache,
Wappen und ewige Flamme

 

Der Schein der ewigen Flamme wirft Licht auf die Inschrift im Mahnmal: »Den Opfern von Faschismus und Militarismus«. Die Taten und die Täter haben Name und Adresse, die Opfer auch, beides steht klar zu unterscheiden in dieser antifaschistischen Gedenkstätte, und nicht wie heute: restlos unkenntlich gemacht und vermischt in einer allgemeinen Opferpampe außerhalb auf Tafeln gekritzelt. Noch etwas steht im »Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus« an die Wand geschrieben, das wohl unmissverständlichste Symbol für den radikalsten Bruch mit jeder schrecklichen deutschen Tradition: das Staatswappen der DDR. Denn es zeigt auf, dass die ewigen Auftraggeber für Weltkrieg, Elend und Massenmord, die Siemens, Daimler, Deutsche Bank, verjagt und machtlos waren in diesem Staat.

Seit dem 1. Mai 1962 wird das Mahnmal tagsüber von zwei Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR mit höchsten militärischen Ehren bewacht. Man kann sicher darüber streiten, wie ein Staat den höchsten Grad seiner Wertschätzung zeigt, was er als wesentlich und wichtig erachtet. Die DDR tat es auf unterschiedliche Weise. Die Hochschätzung für die antifaschistische Umwälzung, für die Bestrafung der Kriegsverbrecher, für die Umsetzung des Potsdamer Abkommens, die bedingungslose Einsicht in die Notwendigkeit, sich dem Revanchismus der BRD entgegenzustellen, zeigte der ostdeutsche Staat vor allem durch seine Tat, da er all dies umsetzte, solang er existierte. Er zeigte es an der »Neuen Wache« durch die Bewachung des Gedenkens, des Bruchs der »alten deutschen Tradition«. Er bewachte es mit Soldaten der ersten deutschen Armee, für die man sich nicht in Grund und Boden schämen muss. Eine Armee, die von Antifaschisten und nicht von Faschisten aufgebaut wurde. Eine Armee, die eine Einheit bildete mit der Roten Armee, ihr engster Verbündeter wurde. Eine Armee im Bund mit den Armeen der vom Faschismus überfallenen Staaten Osteuropas. Etwas Neues in deutscher Gegend, eine Volksarmee,  die sich den deutschen Kriegstreibern entgegenstellt, statt ihnen den Weg freizuschießen.

Der gern angeprangerte Umstand, dass die NVA manch militärisches Zeremoniell vor der Wache abhielt, auch manches Preußische wie den »Stechschritt«, ändert nichts an diesen Zusammenhängen, ist sekundär. Dass die Überreste eines unbekannten deutschen Soldaten, eines Täters, im Gedenkraum beigesetzt werden, ist in der DDR nicht unumstritten, wird durch Diskussionen begleitet. Die DDR begründet ihre Entscheidung damit, dass die Millionen deutschen Soldaten, die ihr meist junges Leben für die Weltherrschaftspläne des deutschen Kapitals gaben und ihren wirklichen Feind nicht erkannten bis zum Schluss, neben ihrer Täterschaft auch missbraucht wurden durch den deutschen Militarismus und Faschismus. Wir finden, da ist viel dran, ob es die getätigte Umsetzung rechtfertigt, darüber sind wir uns nicht einig. Doch neben dem Wesentlichen wird dieser Widerspruch sekundär.

Wesentlich ist: »Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe«. Die DDR hat mit dem Bruch der deutschen Tradition und der Erhebung des Antifaschismus zur Staatsdoktrin, mit der Umsetzung des Potsdamer Abkommens und dem Schutz dieser Umsetzung auch mit Waffengewalt, mit der Zerstörung der wirtschaftlichen Basis des Faschismus ihr Denken und Handeln entsprechend eingerichtet. Das »Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus« entsprach diesem Denken und Handeln.

Zerstörung des antifaschistischen Mahnmals 1993

Mit der Einverleibung der DDR ist wieder in Frage gestellt, was dort ein für alle Mal geklärt war. Die ökonomische Basis, die Auschwitz ermöglicht hat, besteht in der BRD weiterhin unangetastet. Das Personal, das den letzten Weltkrieg um die Welt hetzte und mit ihm den deutschen eliminatorischen Antisemitismus und das System der industriellen Vernichtung menschlichen Lebens, blieb in Amt und Würden, hat den heutigen politischen und militärischen Apparat erzogen. Wieder geht es nach deutscher Tradition um Überfall und Angriffskrieg. Die deutsche Geschichte, die sich tief ins Angesicht der Welt brannte, stört dabei.

Deswegen muss sich dieses Deutschland eine neue Geschichte schreiben. Daran gearbeitet wird seit 70 Jahren. Auschwitz soll nicht länger ewiges Mahnmal für die Taten des faschistischen Deutschland sein, sondern Rechtfertigung für neue Waffengänge der Bundeswehr für deutsche Interessen weltweit. Die DDR darf niemals ein Korrektiv, niemals antifaschistische Alternative gewesen und muss deshalb das Monster »Unrechtsstaat« sein. Dazwischen soll die BRD in blütenweißer Westen stehen, legitimiert, wieder an allen Kriegsfronten der Welt dabei zu sein und mit neuen Kriegen einen erneuten Alleingang zu wagen – in deutscher Tradition.

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9. November 2014 · Berlin Alexanderplatz

Siehe auch: https://november2014aktion.wordpress.com/

 

»Am 9. November 1989 hat in Deutschland die Konterrevolution gesiegt. Ich glaube nicht, dass man ohne diese Erkenntnis in der Zukunft wird Bücher schreiben können.« Ronald M. Schernikau (1960-1991)

»DIESE GRENZE WURDE AUFGEHOBEN, DAMIT WIR GEMEINSAM WIEDER IN DEN KRIEG ZIEHEN«

Aktion mit Großtransparent-Installation am 9.November 2014, 13 Uhr auf dem Alexanderplatz in Berlin

Im Rahmen einer 36-stündigen Mahnwache ab dem 8.11., 10 Uhr morgens

Die Annexion der DDR 1990 verschaffte dem deutschen Imperialismus die Basis, sein Weltmachtstreben auf dem Rücken aller auszuagieren.

Nach innen mit der Abschaffung des Asylrechts 1993, mit staatlicher Duldung faschistischer Mordbrennereien, mit Demontage der Löhne und Renten in Ost und West und Entrechtung der Arbeitslosen, mit nazi-verharmlosenden Schlussstrichen und Entschädigungsabwehr für die deutschen Verbrechen in den Weltkriegen.

Nach außen mit Bomben auf Belgrad 1999, die nur der Startschuss für weltweite Einsätze der Angriffsarmee Bundeswehr waren, mit staatlicher Förderung 5. Kolonnen, mit völkischem und antisemitischem Ideologieexport, mit politischer Überstimmung und ökonomischer Überschwemmung der EU-Länder.

»Wir werden uns wieder mit den ganz uninteressanten Fragen auseinanderzusetzen haben«, beklagte der jüngste DDR-Bürger Ronald Schernikau diesen epochalen Rückschritt vom realen Sozialismus in den Sumpf der Barbarei: »Am 9. November 1989 hat in Deutschland die Konterrevolution gesiegt. Ich glaube nicht, dass man ohne diese Erkenntnis in der Zukunft wird Bücher schreiben können.«

1999 wurde gefragt: Ob die Grenze aufgehoben wurde, damit wir zusammen in den Krieg ziehen?

Der deutsche Imperialismus führt wieder Krieg, hat so massiv und ungehindert aufgerüstet, dass wir feststellen müssen: DIESE GRENZE WURDE AUFGEHOBEN, DAMIT WIR GEMEINSAM WIEDER IN DEN KRIEG ZIEHEN.

Mit dieser Aktion soll den Menschen in Ost und West die objektive Situation in diesem Land und der Weg der Kriegsvorbereitung, den es seit 1989 beharrlich erstürmt, nüchtern vor Augen geführt werden. Vor den deutschen Kriegstreibern ist niemand mehr sicher. Es wird Zeit, ihnen die Hände zu zerschlagen, bevor sie die Vorkriegszeit wieder beenden, die am 9. November 1989 anhob.

»Aktionsgruppe 9. November 2014«

 

 

Rede der Aktionsgruppe 9.November 2014 auf der Kundgebung am 9.11.2014 auf dem Alexanderplatz in Berlin

Liebe Freunde,

wir begrüßen Euch zu diesem 9.November zur Kundgebung gegen die staatliche und städtische Feiertagsstimmung.

In diesem Land gibt es nichts zu feiern. Und erst recht gibt es an einem 9.November nichts zu feiern. Am 9.November 1938 fand der große Pogrom der Nazis statt. Wenn die Regierung an diesem Tag das Feiern verordnet, möchte sie die Geschichte vergessen machen, möchte sie einen Schlussstrich unter deutsche Verbrechen ziehen, um neue deutsche Verbrechen vorzubereiten.

Die Grenze der DDR wurde erst am 3.10.1990 aufgehoben. Doch bereits am 9.November 1989 war absehbar, dass es zu einer Welle des Nationalismus, des deutschen Großmannstums, des Hurra-Patriotismus kommen würde.

Seit dem 9.November 1989 agieren Faschisten auch auf DDR-Gebiet zunehmend ungestört. Von NPD bis CSU fielen die Rattenfänger in die DDR ein.

Seit dem 9.November 1989 überflutet eine Welle des Antikommunismus auch das DDR-Gebiet ungestört. Mit der Rede vom „Unrechtsstaat DDR“ (von solch Geiferern und Hofhunden wie Wolf Biermann) soll die DDR mit dem faschistischen Deutschen Reich gleichgestellt werden – und das im Rechtsnachfolgestaat dieses Reiches, im Land der Alt- und Neonazis!

Seit dem 9.November 1989 wittern die großdeutschen Europastrategen wieder Morgenluft. Kanzler Helmut Kohl brauchte keine angebliche "friedliche Revolution", um die Interessen der Siemens, Daimler, Deutsche Bank jetzt aktiv in der DDR, in Osteuropa, ja sogar gegen die westeuropäischen „Freunde“ durchzupeitschen.

Der 9. November 1989 brachte KEINE Reisefreiheit für die Ostdeutschen. 3 Millionen Ostdeutsche wurden gezwungen, als Wirtschaftsflüchtlinge nach Westdeutschland zu ziehen – dank den Raubrittern von Treuhand und Co. 2 Millionen Ostdeutsche wurden in die Arbeitslosigkeit getrieben – sie müssen ihre demokratischen Grundrechte scheibchenweise an das Jobcenter verscherbeln. (Das muss man sich so klarmachen! Es steht ihnen natürlich "frei", dies zu tun, aber in dem Maße, wie sie es machen, verlieren sie auch das bürgerliche Recht auf Freizügigkeit.)

Der 9.November 1989 brachte vor allem Reisefreiheit für die Bundeswehr.

Unsere Kundgebung richtet sich gegen die verlogenen Hurrapatrioten und Kriegstreiber der Bundesregierung. Der Hauptfeind der Ostdeutschen und der Westdeutschen saß nie in Pankow oder im Palast der Republik. Der Hauptfeind der Ostdeutschen und der Westdeutschen saß in Bonn und sitzt jetzt in Berlin. Der Hauptfeind steht in Westdeutschland und in Ostdeutschland und heißt deutscher Imperialismus.